Römische Katakomben sind älter als gedacht

Die Juden im alten Rom nutzten offenbar schon vor den Christen unterirdische Katakomben als Begräbnisstätten: Niederländische Forscher haben nachgewiesen, dass Teile der jüdischen Katakomben unter der Villa Torlonia im Norden Roms bereits im Jahr 50 vor Christus angelegt wurden ? und damit mindestens 100 Jahre früher genutzt wurden als die ersten christlichen Begräbnisstätten. Möglicherweise übernahmen demnach die Christen jüdische Bestattungsgewohnheiten und nicht umgekehrt, wie einige Wissenschaftler bislang vermuteten.
Von den großen unterirdischen Friedhöfen des alten Roms sind bis heute 60 frühchristliche und 2 jüdische Teile erhalten. Bislang gingen Historiker davon aus, dass sie alle etwa zur gleichen Zeit entstanden, nämlich vom frühen dritten bis zum frühen fünften Jahrhundert nach Christus. Besonders bei den jüdischen Katakomben ist jedoch die genaue Entstehungszeit umstritten: Während einige Wissenschaftler sie für älter als die christlichen Grabstätten halten, sind andere davon überzeugt, dass sie erst nach diesen angelegt wurden.

Aus diesem Grund untersuchte das Team um Rutgers Holzkohlestückchen aus verschiedenen Gräbern der Katakomben unter der Villa Torlonia, dem ehemaligen Wohnsitz Benito Mussolinis. Die Kohlestücke hatten sich während des Brennvorgangs in den Kalk eingelagert, mit dem die Schutt- und Ziegelmauern vor den Grabnischen verkleidet wurden, berichten die Forscher. Die älteste der insgesamt 15 Proben stammt etwa aus dem Jahr 50 vor Christus und die jüngste aus dem Jahr 400 nach Christus, ergab die Datierung der Holzstücke mithilfe der Radiokarbonmethode.

Die zeitliche Einordnung der Holzproben stimmt gut mit der chronologischen Abfolge des Baus der Anlage überein, die sich anhand von archäologischen Funden und Gemälden innerhalb der Katakomben zurückverfolgen lässt. So stammt die älteste Probe beispielsweise aus dem Eingangsbereich, der ganz zu Beginn des Baus angelegt wurde. Die Katakomben wurden demnach wahrscheinlich schon etwa 100 Jahre genutzt, bevor der Bau der ersten christlichen Begräbnisstätten begann, schließen die Forscher aus diesen Ergebnissen. Als nächstes planen sie nun, auch die christlichen Grabstätten genauer zu datieren.

Leonard Rutgers et al. (Universität Utrecht): Nature, Bd. 436, S. 339
ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel


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