Gefährliches Lockangebot

 Bilder: Matthew Bruce et al./Biology Letters
Bilder: Matthew Bruce et al./Biology Letters
Radnetzspinnen dürfen beim Dekorieren ihrer Netze mit aufwändigen Zusatzmustern nicht übertreiben: Die auffälligen Verzierungen sind nämlich nicht nur für Beutetiere wie beispielsweise Honigbienen weithin sichtbar, sondern stechen auch Fressfeinden der Spinnen wie etwa Blaumeisen ins Auge. Das haben australische Wissenschaftler in einer spektroskopischen Studie nachgewiesen. Die Verzierungen dienen demnach eindeutig nicht ? wie bislang vermutet ? dazu, die im Netz sitzende Spinne zu tarnen.
Manche Spinnenarten verzieren die filigranen Strukturen ihrer Netze mit extrem auffälligen Mustern ? Kreuzen, Linien, sternförmigen Kränzen oder dichten Knäueln. Diese Verzierungen haben sich im Lauf der Evolution neunmal unabhängig voneinander entwickelt, und es gibt sie bei mindestens 78 verschiedenen Arten aus 22 Gattungen. Welche Funktion die auffälligen Seidenstrukturen haben, ist trotz des häufigen Vorkommens immer noch weitgehend unbekannt. Wissenschaftler vermuten, dass sie entweder Beute anlocken, als Warnsignale dienen oder die im Netz sitzende Spinne tarnen sollen.

Diese Theorien kommen jedoch nur dann als Erklärung infrage, wenn die Beutetiere und die Fressfeinde der Spinnen die Muster überhaupt wahrnehmen können ? eine Voraussetzung, die bislang ebenfalls nicht nachgewiesen wurde. Um diesen Faktor zu überprüfen, bestimmten Bruce und seine Kollegen den Kontrast zwischen den Verzierungen verschiedener Spinnenarten und der umgebenden Pflanzenwelt bei verschiedenen Wellenlängenkombinationen. Ihr Fazit: Sowohl ein Vogelauge als auch ein Bienenauge kann die zusätzlichen Seidenfäden problemlos vor dem Hintergrund der Pflanzen wahrnehmen.

Möglicherweise reagieren verschiedene Tiere unterschiedlich auf die auffälligen Muster, spekulieren die Forscher: Einige Insekten könnten beispielsweise durch die farblichen Kontraste angelockt werden, während andere dadurch eher vor einer Gefahr gewarnt werden. Für Vögel, die sich von Spinnen ernähren, signalisieren die Verzierungen dagegen den Standort einer potenziellen Beute, während sie die meisten anderen Vögeln eher davor warnen, durch das Netz zu fliegen. Ob jedoch die Lockwirkung oder die Gefährdung überwiegen, können die Wissenschaftler noch nicht sagen.

Matthew Bruce (Macquarie-Universität, Sydney) et al.: Proceedings of the Royal Society: Biology Letters, DOI: 10.1098/rsbl.2005.0307
ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel


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