Ass im Ärmel: Kuckuckskinder haben Zusatzschnabel im Flügel

Junge Fluchtkuckucke täuschen ihre Pflegeeltern mit einem optischen Trick: Sie zeigen ihnen die Unterseite ihres Flügels, wo die Federn wie der Schnabel gelb gefärbt sind. Schlagen die Kuckuckskinder mit den Flügeln, täuschen sie so mehrere Schnäbel vor, die gefüttert werden müssen. So bekommen sie mehr Nahrung.
Nachdem Brutparasiten wie der Kuckuck im fremden Nest geschlüpft sind, werfen sie die Eier und die bereits geschlüpften Vögel aus dem Nest. So stellen sie sicher, dass die ganze Aufmerksamkeit der Pflegeeltern ihnen allein zuteil wird. Dadurch bekommen sie aber auch weniger Futter, denn viele weit geöffnete Schnäbel oder ein lautes Piepsen regen die Eltern dazu an, Futter zu verteilen. Um trotzdem an möglichst viel Futter zu kommen, bettelt der in Europa heimische Kuckuck (Cuculus canorus) mit lautem Piepsen.

Bei dem in Südostasien lebenden Fluchtkuckuck (Cuculus fugax) beobachteten die Forscher, dass dieser mit einem Flügel flattert und seinen Pflegeeltern dabei den gelben Fleck auf der Unterseite zeigt ? und zwar umso öfter, je hungriger das Kuckuckskind ist. Mit der gelben Flügelunterseite ahmen die Jungvögel einen bettelnden Schnabel nach und simulieren so eine größere Brut. So beobachteten die Forscher, wie die Elterntiere versuchten, die Nahrung in den Farbfleck zu stecken. Als die Forscher die gelbe Stelle schwarz übermalten, erhielt das Kuckucksjunge wesentlich weniger Nahrung von seinen Pflegeeltern.

Der Farbfleck auf dem Flügel sieht zwar einem aufgesperrten Flügel nicht ähnlich. Da es aber im Innern des Nestes dunkel ist, können die Elterntiere wahrscheinlich nicht zwischen einem hungrigen Schnabel und einer flatternden gelben Flügelunterseite unterscheiden. Dieser visuelle Betteltrick ist vermutlich eine Anpassung an die Lebensweise der Wirtsarten des Fluchtkuckucks. Drei von ihnen nisten am Boden. Da hier die Gefahr groß ist, von Räubern gefressen zu werden, betteln weder die eigenen Jungen noch die des Kuckucks laut. Die optische Täuschung ist deshalb eine gute Möglichkeit, Eltern auf eine leise Art dazu zu bringen, mehr Futter zu verteilen.

Keita Tanaka und Keisuke Ueda ( Rikkyo University, Tokio): Science, Bd. 308, S. 653
ddp/wissenschaft.de ? Katharina Schöbi


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