Eisige Nordsee am Mars-Äquator

Vor fünf Millionen Jahren bedeckte ein Gewässer von den Ausmaßen der Nordsee den Mars. Heute ist der See zwar komplett gefroren und von einer Staubschicht bedeckt, aber größere, unregelmäßig geformte Blöcke zeugen noch davon, dass einst Eisschollen auf flüssigem Wasser trieben, berichtete John Murray von der Open University in Milton Keynes am Montag auf der Mars Express Science Conference im niederländischen Noordwijk.
Die Stereokamera der europäischen Raumsonde Mars Express nahm die mutmaßlichen Eisschollen in einer Ebene mit dem Namen Elysium nördlich des Mars-Äquators auf. Die Aufnahmen ähneln Bildern von antarktischen Eisschollen frappierend. Aus der geringen Zahl der Krater, die die Elysium-Ebene bedecken, schließen Murray und seine Kollegen, dass das Gewässer vor nur fünf Millionen Jahren entstand.

"Fünf Millionen Jahre sind in geologischen Maßstäben gar nichts", sagte Murray gegenüber der Zeitschrift Nature, wo die Ergebnisse im März veröffentlicht werden sollen. "Die Entdeckung beweist, dass es während der gesamten Mars-Geschichte Taschen mit flüssigem Wasser gegeben hat."

Den Ursprungsort des Wassers haben die Forscher auch schon ausgemacht: In der Nähe der Ebene liegen tiefe Gräben, die Cerberus Fossae. Schon auf älteren Bildern hatten die Planetenforscher verästelte Flusssysteme entdeckt, die in Richtung Elysium führten. "Aber niemand hätte vermutet, dass ein Teil dieses Wassers noch heute gefroren auf dem Mars existiert", sagt Murray. Als das Gewässer zuzufrieren begann, brach die Eiskruste offenbar auf, so dass sich riesige Eisflöße bildeten.

Wassereis ist wegen des niedrigen Atmosphärendrucks am Mars-Äquator nicht stabil: Es geht sofort von dem festen in den gasförmigen Zustand über. Murray und seine Kollegen vermuten daher, dass eine ? womöglich nur wenige Zentimeter dicke ? Schicht Vulkanstaub den zufrierenden Riesensee zudeckte und thermisch isolierte.

Das Elysium-Meer hat eine Ausdehnung von 800 mal 900 Kilometern und ist etwa 45 Meter dick. Im April wird zwar der Marsis-Radar auf Mars-Express mit der Suche nach unterirdischen Wasserreservoirs beginnen. Leider ist seine Auflösung nicht fein genug, um eine solch dünne Eisschicht zu entdecken.
Ute Kehse


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