Das schmutzige Geheimnis der Wasserkraft

Strom aus Wasserkraft ist weitaus weniger umweltschonend als vielfach angenommen: In warmen Ländern setzen Stauseen sogar deutlich mehr schädliche Treibhausgase frei als bei der Gewinnung der gleichen Energiemenge aus fossilen Energieträgern entstehen würden. Das berichtet das britische Wissenschaftsmagazin New Scientist (26. Februar, S. 8).
Wird Wasser in einem Tal durch einen Damm aufgestaut, verrottet die Vegetation am Grund des neuen Sees. Dabei wird ein Großteil des in den Pflanzen gespeicherten Kohlenstoffs als Kohlendioxid frei. Später wird das restliche Pflanzenmaterial unter Sauerstoffabschluss weiter abgebaut. Dabei entsteht Methan, das für die Atmosphäre ein um ein Vielfaches schädlicheres Treibhausgas darstellt als Kohlendioxid. Strömt das Wasser durch die gewaltigen Turbinen, gelangt das Methan in die Luft.

Dieser Mechanismus ist zwar bereits bekannt. Doch das Ausmaß der Umweltbelastung durch Wasserkraft wird von Experten mittlerweile so hoch geschätzt, dass es politische Auswirkungen haben wird: Der Zwischenstaatliche Ausschuss für Klimaveränderungen (IPCC) will bei den kommenden Klimadiskussionen um nationale Treibhausgasemissionen auch die durch künstlich aufgestautes Wasser hervorgerufenen Emissionen berücksichtigen.

"Die Emissionen variieren von Stausee zu Stausee", erklärt Philip Fearnside vom Brasilianischen Institut für Forschung im Amazonas in Manaus gegenüber dem New Scientist. "Doch es sind genug, um sich ernsthafte Sorgen zu machen." So schätzt der Forscher zum Beispiel, dass allein 1990 die Emissionen aus Treibhausgasen des Curuá-Una-Stausees in Brasilien dreieinhalbmal größer waren, als bei der Elektrizitätsgewinnung aus Öl entstanden wären. In kälteren Ländern ist das Ausmaß der Treibhausgasentstehung jedoch geringer, erklärt Fearnside.
ddp/wissenschaft.de ? Cornelia Dick-Pfaff


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