Erfolgreiche Ernte auf Mars und Mond

Die Illustration gibt eine Vorstellung, wie auf dem Mars Nahrung angebaut werden könnte. (Foto: NASA)
Die Illustration gibt eine Vorstellung, wie auf dem Mars Nahrung angebaut werden könnte. (Foto: NASA)

Mark Watney hat es vorgemacht: In der Marserde baut er mithilfe menschlicher Exkremente Kartoffeln an, um allein zurückgelassen auf dem Mars zu überleben. Mark Watney ist zwar eine Roman- und Filmfigur ("Der Marsianer"), doch der Anbau von Obst und Gemüse auf dem Mars ist keine Science-Fiction mehr. Wissenschaftler der Universität Wageningen experimentieren mit Böden, die denen vom Mars und Mond ähneln, und haben bereits zehn verschiedene Gemüsearten kultiviert. Einziges Manko: Die Böden enthalten sehr viele Schwermetalle.

Erstmals 2013 pflanzten der Ökologe Wieger Wamelink und sein Team von der niederländischen Universität Wageningen verschiedene Gemüsesorten in Erdreich, das sie den Böden von Mars und Mond nachahmten. Hintergrund: Sollte der Mensch in naher oder ferner Zukunft den Mond und Mars besiedeln, müssen sich die Pioniere autark mit Nahrungsmitteln versorgen können. Als Grundlage für ihr Experiment mischten die Forscher hawaiianische Vulkanerde mit chemischen Zusätzen und Erdbakterien. Bei den ersten Anbauversuchen in Blumentöpfen sprossen tatsächlich einige der Pflanzen, allerdings fast nur auf dem Mars-Substrat. Weil, so vermuteten die Forscher, der Mars-Boden länger Wasser speichern kann als das Mond-Regolith. Zudem enthält die Mars-Erde überraschend viele für das Wachstum essentielle Nährstoffe wie Phosphor, Eisenoxide und Stickstoff.

Im vergangenen Jahr startete Wamelink eine neue Versuchsserie. Er und seine Kollegen bauten zehn verschiedene Gemüse- und Getreidesorten an, unter anderem Tomaten, Bohnen, Roggen, Rucola sowie Rettiche – und konnten eine größere Ernte einfahren als bei ihrer ersten Versuchsreihe. Der Grund: "Wir haben statt kleinen Töpfen Beetkästen verwendet und dem Mars- und Mond-Bodenimitat organisches Material zugesetzt: frisches Gras", erklärt Wamelink. Das löste auch das Problem, dass die Pflanzen ausreichend Wasser bekamen. Außerdem fügten die Wissenschaftler Jauche als Dünger bei.

Guter Boden auf dem Mars

Durch die Nachbesserungen wuchsen nun auch auf dem Mond-Substrat Pflanzen. Zudem: Verglichen mit einer Kontrollgruppe Pflanzen, die Wamelink in regulärer Erde anbaute, zeigte sich bei den Gewächsen auf Mars-Boden kaum ein Unterschied. Sie wuchsen ähnlich gut. "Das hat uns wirklich überrascht", sagt Wieger Wamelink.

Obwohl die Forscher essbare Bodenfrüchte geerntet haben, verzehrten sie das Gemüse lieber nicht. "Die Böden enthalten Schwermetalle wie Blei, Arsen und Quecksilber." Und diese Substanzen könnten in die geernteten Früchte gelangen "und sie giftig machen". Deshalb wollen Wamelink und seine Kollegen in einem Folgeprojekt herausfinden, wie sich das Schwermetall-Problem lösen lässt.

Die Pflanzen bauten die Forscher in Gewächshäusern unter erdähnlichen Bedingungen an. "Wir gehen davon aus, dass die ersten Kulturpflanzen auf dem Mars wahrscheinlich in unterirdischen Räumen gezogen werden, um sie vor der feindlichen Umgebung und der kosmischen Strahlung zu schützen", so Wamelink.

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