Wie Bakterien beim Kampf gegen Krebs helfen können

Mit einer neuartigen Impfung ist es einem internationalen Forscherteam gelungen, das Immunsystem von Hautkrebspatienten auf den Tumor anzusetzen: Der Impfstoff gaukelt dem Körper eine bakterielle Infektion vor, während er gleichzeitig der Körperabwehr ein Protein aus der Oberfläche der Tumorzellen als Ziel präsentiert. Auf diese Weise gelang es den Wissenschaftlern bei acht Krebspatienten bereits, die Reaktion des Immunsystems um das Zehnfache zu steigern. Die Forscher um Daniel Speiser vom Ludwig-Institut für Krebsforschung in Lausanne beschreiben die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift Journal of Clinical Investigation (Bd. 115, Nr. 3).
Bereits seit einiger Zeit suchen Forscher nach Ansätzen für eine so genannte therapeutische Impfung gegen Krebs. Ziel einer solchen Behandlung ist es, dem Immunsystem unter die Arme zu greifen und ihm zu helfen, die Tumorzellen selbstständig zu bekämpfen. Obwohl mittlerweile einige Zielproteine für eine solche Impfung bekannt sind, gelang es bisher nicht, die Reaktion der Körperabwehr auf diese Proteine stark genug anzukurbeln, um einen therapeutischen Effekt zu erzielen.

Um dieses Ziel zu erreichen, verabreichten die Wissenschaftler um Speiser ihren Probanden nicht nur das Zielprotein, sondern zusätzlich noch ein Stück bakterieller DNA. Dieses Erbgutfragment aktivierte wie beabsichtigt das Immunsystem der Patienten, so dass es deutlich stärker auf die Krebsproteine reagierte als ohne die bakterielle DNA: Die Forscher fanden bei den geimpften Probanden bereits nach vier Injektionen einen deutlichen Anstieg von speziell gegen die Tumorzellen gerichteten Killerzellen. Schwere Nebenwirkungen konnten dagegen nicht beobachtet werden, schreiben die Wissenschaftler.

In der aktuellen Studie sollte überprüft werden, ob die Impfung sicher ist und ob sie das Immunsystem aktivieren kann, erklären die Forscher. Welchen Effekt die erhöhte Immunantwort auf die Tumoren hat, können sie dagegen noch nicht sagen. Erste Laborversuche deuten jedoch darauf hin, dass die nach der Impfung gebildeten Immunzellen tatsächlich in der Lage sind, die Krebszellen zu töten.
ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel


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