Rico hört aufs Wort

 Der begabte Border-Collie
Der begabte Border-Collie "Rico" (Bild: MPI für evolutionäre Anthropologie, Leipzig)
Hunde können menschliche Sprache offensichtlich besser verstehen als bislang angenommen. Das haben Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig bei Versuchen mit dem Border-Collie "Rico" entdeckt, der sein Sprachtalent auch schon in der Fernsehsendung "Wetten, dass?" gezeigt hat. Rico kennt beispielsweise die Namen von mehr als zweihundert Personen und Gegenständen und kann sie richtig zuordnen. Außerdem erlernt er neue Wörter nach einem ähnlichen Prinzip wie kleine Kinder: Er erkennt, dass ein unbekanntes Wort zu dem einzigen unbekannten Gegenstand inmitten vertrauter Dinge gehören muss. Juliane Kaminski und ihre Kollegen beschreiben ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift Science (Bd. 304, S. 1682).
Viele Hundebesitzer sind davon überzeugt, dass ihr Haustier jedes Wort versteht, das sie sagen. Um herauszufinden, ob ein solches Talent nur in der Einbildung seiner Besitzer existiert, machten die Forscher verschiedene Tests mit Rico. Zuerst überprüften sie seinen Wortschatz. Dazu wiesen sie den Collie an, bestimmte Spielzeuge aus dem Nebenraum zu holen. Diese Aufgabe meisterte Rico mit Bravour: Von 40 verlangten Objekten brachte er 37 Mal das richtige. Mit insgesamt mehr als 200 verschiedenen Worten übertrifft Ricos Vokabular damit das von trainierten Affen, Delfinen, Seelöwen und Papageien.

Anschließend untersuchten Kaminski und ihre Kollegen Ricos Fähigkeit, neue Wörter zu lernen. Dazu platzierten sie ein unbekanntes Spielzeug zwischen Ricos vertrauten Sachen. Dann bekam der Hund den Befehl, das neue Spielzeug zu holen ? mit einem Wort, das er noch nie gehört hatte. Auch bei dieser Aufgabe brachte Rico in sieben von zehn Fällen den richtigen Gegenstand. Ein erneute Test vier Wochen später zeigte, dass Rico sich den neuen Namen gemerkt hatte, obwohl er ihn nur ein einziges Mal gehört hatte.

Nach Ansicht der Forscher erkennt der Collie demnach, dass sich neue Wörter auf Gegenstände beziehen müssen, die nicht bereits Namen haben, und speichert die neuen Namen in seinem Gedächtnis. Nach dem gleichen Prinzip, dem so genannten Fast-Mapping, lernen auch kleine Kinder die Bedeutung von Wörtern. Offensichtlich basieren also bestimmte Teile des Sprachverständnisses auf geistigen Fähigkeiten, die nicht nur beim Menschen vorkommen und die sich unabhängig von der menschlichen Sprache entwickelt haben. Ob Rico auch in der Lage ist, abstraktere Wörter oder auch kurze Sätze zu lernen und zu verstehen, wollen Kaminski und ihre Kollegen in weiteren Tests untersuchen.
ddp/bdw ? Ilka Lehnen-Beyel


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