Als die Kolibris noch durch Deutschland schwirrten

Deutsche Wissenschaftler haben die bislang ältesten Fossilien eines modernen Kolibris entdeckt. Die beiden winzigen, vier Zentimeter langen Skelette, die aus einer Tongrube in Frauenweiler südlich von Heidelberg stammen, sind zudem die ersten Kolibri-Fossilien aus der Alten Welt. Gerald Mayr vom Forschungsinstitut Senckenberg in Frankfurt taufte die ausgestorbene Kolibriart auf den Namen "Eurotrochilus inexpectatus". Das bedeutet so viel wie "Unerwartete Europäische Variante des Trochilus". Trochilus ist der Name einer heute lebenden Kolibrigattung. Über seine Untersuchungen an dem Fossil berichtet der Zoologe in der Fachzeitschrift Science (Bd. 304, S. 861).
Eurotrochilus inexpectatus lebte vor etwa 30 Millionen Jahren. Die bis zu seiner Entdeckung ältesten Kolibri-Fossilien stammen aus Südamerika und sind nur rund eine Million Jahre alt. Heute sind Kolibris lediglich aus Amerika bekannt. Ihre längst ausgestorbenen europäischen Verwandten waren allerdings genauso winzig und besaßen ebenfalls den typischen langgezogenen Schnabel zum Nektarsaugen und ein weiteres charakteristisches Skelettmerkmal: Auch ihre Schultergelenke und Oberarmknochen waren so gebaut, dass der Vogel wie moderne Kolibris die Flügel rotieren lassen und so in der Luft schwebend Nektar aus Blütenkelchen trinken konnte.

Dass es auch in der Alten Welt Kolibris gab, könnte erklären, wie die Form einiger asiatischer und afrikanischer Blumen entstanden ist, die eine sehr schnabelfreundliche Form haben, aber ohne Äste wachsen. Sie könnten sich gemeinsam mit den winzigen, schwebenden Vögel entwickelt haben, vermutet Mayr. Als die Kolibris dann von der Bildfläche verschwanden, übernahmen Insekten die Bestäubungsaufgaben der zierlichen Vögel, spekuliert der Biologe.
ddp/bdw ? Cornelia Pfaff


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