Gentherapie macht alkoholabhängige Ratten (fast) trocken

Eine Gentherapie könnte in Zukunft Menschen mit der Neigung zum Alkoholismus helfen, von der Droge loszukommen. Das legen die Ergebnisse amerikanischer Forscher nahe, die mit einer solchen Gentherapie den täglichen Alkoholkonsum von Ratten mit einer angezüchteten Vorliebe für Alkohol halbieren konnten. Dazu hatten die Wissenschaftler ein bestimmtes Gen ins Gehirn der Tiere eingeschleust und so die Anzahl der Andockstellen für den Botenstoff Dopamin erhöht. Die Forscher um Panayotis Thanos vom Brookhaven National Laboratory beschreiben ihre Versuche in der Mai-Ausgabe der Fachzeitschrift Alcoholism Clinical and Experimental Research (Bd. 28, Nr. 5).
Alkohol regt, genau wie Kokain und andere Drogen, im Gehirn die Produktion und Ausschüttung des Botenstoffs Dopamin an. Dieser Botenstoff dockt an ganz spezielle Erkennungsmoleküle, auch Rezeptoren genannt, im Gehirn an und vermittelt so unter anderem ein angenehmes Wohlgefühl. Wissenschaftler vermuten, dass die Rezeptoren eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Süchten spielen. So gibt es beispielsweise die Theorie, Menschen mit zu wenigen Dopaminrezeptoren seien anfälliger für Suchtkrankheiten wie beispielsweise Alkoholismus.

Für eine genauere Untersuchung dieses Zusammenhangs züchteten die Wissenschaftler um Thanos Ratten, in deren Gehirn die Menge eines bestimmten Dopaminerkennungsmoleküls vermindert war. Diese Ratten bevorzugten, wenn sie die Wahl zwischen Wasser und alkoholischen Getränken hatten, immer den Alkohol. Um die Zahl der Dopaminrezeptormoleküle in den Rattenhirnen zu erhöhen, setzten die Wissenschaftler das Gen für den fehlenden Rezeptor in ein harmloses Virus ein und spritzten den Tieren diese veränderten Viren direkt in den so genannten Nucleus accumbens, eine Gehirnregion, die bei Suchtverhalten eine wichtige Rolle spielt. Auf diese Art konnte die genetische Information in die Gehirnzellen eindringen und versetzte die Zellen in die Lage, das Rezeptormolekül selbst herzustellen.

Mit dieser Behandlung verminderte sich das Verlangen der Ratten nach Alkohol um knapp 40 Prozent. Dieses Ergebnis stütze die Vermutung, dass die Dopaminrezeptoren eine Schlüsselrolle bei der Veranlagung zum Alkoholismus spielen, schreiben Thanos und seine Kollegen. Nach einigen Tagen ließ der dämpfende Effekt jedoch nach, da die zusätzlichen Gene nicht auf Dauer in das Erbgut der Hirnzellen eingebaut wurden. Die Wissenschaftler suchen nun nach einer Möglichkeit, den gleichen Effekt dauerhaft zu erzielen.
ddp/bdw ? Ilka Lehnen-Beyel


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