Warum Schnecken nicht von der Wand fallen

Schnecken benutzen eine Art Zweikomponentenkleber, um sich an glatte Oberflächen haften zu können: Sie setzen ihrem Schleim bei Bedarf bestimmte Eiweiße zu, die ihn in ein sehr gut haftendes Gel verwandeln. Solche Gele kleben an feuchten oder nassen Oberflächen genauso gut wie an trockenen und könnten in Zukunft als Basis für die Entwicklung neuer, vielseitigerer Klebstoffe dienen. Das berichten amerikanische Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Journal of Experimental Biology (Bd. 207, S. 1127).
Schnecken sind wahre Künstler, wenn es darum geht, die Eigenschaften ihres Schleims zu verändern, entdeckten Andy Smith und seine Kollegen von der Cornell-Universität in Ithaca (USA). Die von den Wissenschaftlern "Klebeproteine" getauften Eiweißen machen die im Normalfall flüssige Substanzmischung blitzschnell zu einem festen Gel. Die Klebeproteine verknüpfen dabei im Schleim enthaltene, große Zuckermoleküle miteinander, so dass sich ein festes Netzwerk bildet, vermuten die Wissenschaftler.

Besonders interessant sei dabei der hohe Wassergehalt und die unglaublich gute Flexibilität der Gele, schreiben die Forscher: Bis zu 95 Prozent Wasser könne der Schneckenkleber enthalten, während selbst die flexibelsten künstlichen Klebstoffe fast ausschließlich aus Feststoffen bestehen. Zusätzlich fügen die Schnecken noch besondere Substanzen hinzu, die ähnlich wie die Tenside im Spülmittel die Oberflächenspannung des Schleims erniedrigen. Dadurch kann sich der noch flüssige Schleim viel besser über eine Oberfläche verteilen, was nach der Gel-Bildung die Haftfähigkeit deutlich erhöht. Auch das Haften an feuchtem Untergrund wird so ermöglicht.

Im Gegensatz zu vielen anderen Biomaterialien wirken die Klebeproteine jedoch nicht ausschließlich auf die Zuckermoleküle im Schleim, sondern können auch andere Biopolymere miteinander vernetzen. So konnten die Forscher beispielsweise aus Agar- oder Pektinlösungen Gele herstellen, indem sie die Klebeproteine hinzugaben. Diese Gele waren deutlich fester als herkömmliche Agar- oder Pektingele, wie sie beispielsweise als Grundlagen für Gelees und Marmeladen verwendet werden. Die Forscher hoffen nun, in weiteren Untersuchungen die Eigenschaften der Klebeproteine genauer aufdecken und die Ergebnisse möglicherweise für die Entwicklung flexibler Klebstoffe verwenden zu können.
ddp/bdw ? Ilka Lehnen-Beyel


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