Neue Verdächtige: Brachten ägyptische Wildratten dem Menschen die Pest?

Die Ursprünge der Beulenpest liegen möglicherweise in Ägypten und nicht in Zentralasien, wie Wissenschaftler bisher vermuteten. Eine britische Archäologin hat Hinweise darauf entdeckt, dass die pestübertragenden Rattenflöhe von ägyptischen Nilgrasratten auf Hausratten übergegangen sein könnten. Durch deren enge Nähe zum Menschen in den ägyptischen Städten zur Pharaonenzeit konnte die Krankheit dann schließlich auch auf den Menschen übergreifen. Damit wäre die Seuche viel früher entstanden als bisher vermutet, berichtet das Wissenschaftsmagazin New Scientist (Ausgabe vom 21. Februar).
Bisher hatten Wissenschaftler immer asiatische Wüstenrennmäuse verdächtigt, die ersten Wirte des Ratten- oder Pestflohs und damit die ursprünglichen Überträger des Bakteriums Yersinia pestis gewesen zu sein. Eva Panagiotakopulu von der Universität in Sheffield hat jedoch eine andere Theorie: Ihrer Meinung nach waren wildlebende Nilgrasratten in Ägypten die ersten, die sich mit Yersinia pestis infizierten. Durch die Nilüberschwemmungen und die zunehmende Ausbreitung der Städte etwa 3.500 vor Christus kamen die Nilgrasratten dann in Kontakt mit Hausratten, die aus Indien nach Afrika gekommen waren.

Dieser Kontakt ermöglichte es den Rattenflöhen wiederum, die Krankheit von den Nilgrasratten auf die Hausratten zu übertragen. Da diese in viel größerer Nähe zum Menschen lebten, war es nach Panagiotakopulus Ansicht nur eine Frage der Zeit, bis die Pest auch auf den Menschen übersprang. Die Wissenschaftlerin gründet ihre Vermutung unter anderem darauf, dass bei Ausgrabungen aus der Zeit der Pharaonen sowohl Nilgrasratten als auch Hausratten gefunden worden waren. Auch die Existenz von Menschenflöhen in ägyptischen Siedlungen aus dem 14. Jahrhundert vor Christus sowie Berichte über Krankheitsfälle mit geschwollenen Beulen aus dieser Zeit stützen ihre These.
ddp/bdw ? Ilka Lehnen-Beyel


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