Forscher: Zusätze in Zigaretten erhöhen das Suchtpotenzial

Nikotin macht nur in einer bestimmten chemischen Form süchtig, von der Zigaretten deutlich mehr enthalten als bisher angenommen. Amerikanischen Chemikern ist es zum ersten Mal gelungen, die Menge dieser so genannten freien Form des Nikotins im Zigarettenrauch zu messen. Sie bringen die erhöhten Konzentrationen mit bestimmten Zusätzen in Verbindung, die von der Zigarettenindustrie verwendet werden. Das schreiben die Wissenschaftler in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift Chemical Research in Toxicology (Ausgabe vom 25. Juli).
Nikotin kann in zwei verschiedenen Formen vorliegen. Die freie Form kann sehr leicht vom festen Tabak in den Rauch übergehen. Dadurch wird das Nervengift extrem schnell in die Lunge und damit schließlich auch ins Gehirn des Rauchers transportiert. Dagegen verdampft die so genannte protonierte Form sehr langsam und kommt nur in geringen Mengen im inhalierten Zigarettenrauch vor. Je schneller das Nikotin im Gehirn ankommt, desto stärker ist das Suchtpotenzial.

Die Chemiker um James F. Pankow von der Oregon-Universität für Gesundheit und Wissenschaft entwickelten ein neues Verfahren, um die tatsächliche Menge des süchtig machenden freien Nikotins im Zigarettenrauch zu bestimmen. Sie fanden dabei deutlich höhere Konzentrationen der gefährlicheren Variante als bislang angenommen. Bis zu 36 Prozent des gesamten Nikotins liege in der freien Form vor, berichten die Forscher. Der Anteil an freiem Nikotin variiere jedoch von Marke zu Marke sehr stark.

Die chemische Zusammensetzung der Zigarette bestimmt, wie viel Nikotin in der freien Form vorliegt ? und damit, wie abhängig die Zigarette macht. Manche Tabakkonzerne nutzen die Eigenschaft des Nikotins aus, je nach Umgebung in freier oder protonierter Form vorzuliegen: Durch Zusätze wie zum Beispiel Harnstoff erhöhen sie die Menge an freiem Nikotin und verstärken so das Suchtpotential ihrer Zigaretten.

"Die Studie zeigt, dass das Nikotin in modernen Zigaretten genauso verändert wird wie Kokain bei der Crack-Herstellung", sagt der Suchtexperte Jack Henningfield von der Johns-Hopkins Universität. Crack ist die freie Form des Kokains und dringt ebenfalls extrem viel schneller ins Gehirn des Konsumenten ein als Kokain selber.
ddp/bdw ? Ilka Lehnen-Beyel


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