Hat Gott bei der Schöpfung mit gezinkten Würfeln gespielt?

Als Gott das Universum schuf, muss er geschummelt haben. Obwohl die physikalischen Gesetze viele andersartige Universen zulassen, von denen die meisten lebensfeindlich sind, ist bei der Schöpfung ein Universum mit genau den Eigenschaften herausgekommen, die schließlich uns Menschen hervorbrachten. Stephen Hawking von der Universität Cambridge hat mit seinen Mitarbeitern einen neuen Versuch unternommen, die vielen unerklärlichen Zufälle aufzuklären, ohne die die Inflationstheorien nicht funktionieren. Dabei hat er sich neue Probleme eingehandelt, wie der Online-Dienst WorldNetDaily berichtet.
Die Inflationstheorien gehen davon aus, das unser Universum sich kurz nach dem Urknall um einen ungeheuren Faktor ausdehnte. Dadurch erklären sie unter anderem die Flachheit unseres Universums. Eine eventuell anfangs vorhanden gewesene positive oder negative Krümmung wäre durch das Aufblähen des Raumes nivelliert worden.

In den ursprünglichen Versionen der Inflationstheorien ist die treibende Kraft für die Inflation ? das Aufblähen des Raumes ? ein physikalisches Feld, das "vom Himmel fällt", d.h. seine Existenz wird nicht erklärt. Darüber hinaus müssen die Anfangsbedingungen dieses Feldes "fein abgestimmt" sein ? das heißt, sie müssen bestimmte Werte bis auf mehrere Stellen hinter dem Komma genau annehmen, damit bei der Inflation ein Universum mit exakt den von uns beobachteten Eigenschaften herauskommt.

In der eigentlichen Inflationsphase rollt dann dieses Feld ? bildlich gesprochen ? ähnlich wie ein Ball einen Energiehügel herunter. Dabei wird die Energie des Feldes in das Universum transformiert und dort unter anderem in Materie umgewandelt. Wieso das Feld aber am Anfang oben auf dem Hügel und nicht gleich unten im Tal lag, bleibt unbeantwortet.

Hawking versucht nun, zumindest ein Problem zu lösen: Statt des "vom Himmel gefallenen" Feldes, steckt er die im Universum heute vorhandenen Teilchenfelder in seine Theorie hinein. Er erhält als Ergebnis eine Inflationstheorie, die ebenfalls einige Feinabstimmungen erfordert. "Diese Feinabstimmungen sind nicht schlimmer als die in der ursprünglichen Inflationstheorie", schreibt Hawking in seiner Originalveröffentlichung im ePrint-Archiv arXiv.org (hep-th/0010232). "Möglicherweise sind sogar sehr viel weniger Feinabstimmungen notwendig als in der ursprünglichen Theorie", hofft Hawking weiter. "Eine genauere Analyse der Herunterrollphase könnte dies zeigen."

Allerdings handelt Hawking sich ein neues Problem ein: Neben der Inflation, aus der anschließend unser mit Materie gefülltes Universum hervorgeht, lässt seine Theorie auch noch ein flaches Universum zu, das für alle Zeit leer bleibt. Das kommentiert Hawking mit einer bemerkenswerten, fast resignierend klingenden Aussage: "Möglicherweise müssen wir uns auf das Anthropische Prinzip berufen, um zu erklären, warum ein inflationierendes und kein leeres Universum entstanden ist."

Das Anthropische Prinzip besagt nichts anderes als eine Binsenweisheit, nämlich dass wir nur ein Universum beobachten können, das so beschaffen ist, dass Leben und somit wir Menschen entstehen konnten. Als wissenschaftliche Erklärung wird dieses Prinzip von den meisten Wissenschaftlern nicht akzeptiert. Denn im übertragenen Sinne sagt dieses Prinzip nichts anderes, als dass Gott geschummelt hat: Statt die physikalischen Gesetze von vorneherein so festzulegen, dass ein Universum mit den von uns beobachteten Eigenschaften entstehen musste, hat er später noch mal einige Zufallswerte ausgewürfelt. Da die meisten der möglichen Zufallswerte aber lebensfeindliche Universen entstehen lassen, hat Gott beim Würfeln ganz offensichtlich etwas "nachgeholfen".
Axel Tillemans


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