Die andere Herrschaft der Frauen: Das Matriarchat gibt es doch

Das Matriarchat, eine Gesellschaft, in der die Frauen das Sagen haben und nicht die Männer, gibt es nicht und hat es nie gegeben. Zu dieser Auffassung sind die meisten Wissenschaftler nach einem Jahrhundert des Forschens gelangt. Dem widerspricht nun die Anthropologin Peggy Reeves Sanday vom archäologischen Museum der Universität Pennsylvania: Das Volk der Minangkabau auf West-Sumatra lebt im Matriarchat ? jedoch sieht dies anders aus, als von vielen erwartet, schreibt die Wissenschaftlerin in ihrem in diesen Tagen erschienenen Buch "Women at the Center: Life in a Modern Matriarchy" ("Frauen im Mittelpunkt: Leben in einem modernen Matriarchat").
Bei den Minangkabau dreht sich alles um die Frau: In ihrer Naturreligion steht die Frau als mütterliche Königin an der Spitze. Frauen bilden den Mittelpunkt des Soziallebens und verteilen beispielsweise im Erbschaftsfall das Land unter den Hinterbliebenen auf. Bei der Hochzeitszeremonie holt die Frau ihren Gatten ab und lässt ihn bei sich wohnen. Wenn sich das Paar scheiden lässt, muss der Mann seine Sachen packen.

Trotzdem sei dies nicht einfach eine Herrschaft der Frauen, schreibt Peggy Sanday, die mehrere Jahre unter den Minangkabau gelebt hat. Bei den Minangkabau würden Entscheidungen gemeinsam getroffen: Statt Dominanz und Wettbewerb zähle Zusammenarbeit und Ausgleich. Dies sei der Grund, warum westliche Forscher die Minangkabau bisher nicht als Matriarchat erkannt hätten. Sie hätten nach einer Gesellschaft gesucht, in der die Frauen den Ton angeben und die Männer zurückstecken müssen.
ddp/bdw - Florian Sander


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