Schottischer Aufklärer war Vorbild für Frankenstein

Die Figur ist weltberühmt: Frankenstein, der von der Wissenschaft besessene Arzt, der einen künstlichen Menschen schafft und von diesem dann selbst verfolgt wird. Frankensteins Erfinderin, Mary Shelley (1797-1851), tritt hinter die Berühmtheit ihrer Figur zurück. Ganz im Dunkeln lag bisher das reale Vorbild für diesen Victor Frankenstein. Dieses Geheimnis hat jetzt ein Doktorand der University of Newcastle upon Tyne gelüftet: Es handelte sich dabei um den schottischen Arzt und Aufklärer James Lind, der für Mary Shelleys Mann, Percy Bxsshe Shelley, eine überragende Rolle gespielt hat. Seine Ergebnisse hat der Forscher im "Journal of the Royal Society of Medicine" veröffemtlicht.
Mary Shelleys Schaffung der Frankenstein-Figur war ein Geniestreich, erklärt Christopher Goulding, Autor der Studie, "aber der wissenschaftliche Teil des Romans kommt, über ihren Mann, aus der schottischen Aufklärung". Percy Shelley (1792-1822) - so die Erkenntnis von Goulding - war während der letzten Jahre seiner Schulzeit in Eton mit einem weit gereisten und nun als Witwer halb im Ruhestand lebenden Arzt in Kontakt gekommen. Dieser James Lind (1736-1812) hatte sich erboten, den Jungen von Eton, die sich für Naturwissenschaften interessierten, eine Art zusätzliche Unterweisung zu geben.

Der junge Percy Shelley nahm dieses Angebot sofort wahr und fand in ihm einen Mentor, der ihn mit allem bekannt machte, was man zur damaligen Zeit über Naturphänomene wusste. Dazu gehörten vor allem die frühen Experimente mit Elektrizität, wie etwa Galvanis Froschschenkelexperiment. Überdies war James Lind, zumindest in der gepflegten Gesellschaft in Windsor, wo er lebte, auch selbst eine geheimnisvoll-exzentrische Erscheinung. Sein Sohn Alexander beschreibt später zum Beispiel das Arbeitszimmer des Vaters, das vollgestopft gewesen sein soll mit Teleskopen, Galvanischen Batterien und anderen elektrischen Maschinen.

Mary Shelley war 18 Jahre alt, als sie ihre Geschichte um Frankenstein begann. Frühere Biografen haben versucht, ihre medizinischen Kenntnisse mit verschiedenen kleineren Erlebnissen zu erklären. So hielt man es etwa für möglich, dass Mary Shelley die Berichte über die Wiederherstellung der Gedächtnisleistungen eines Seemanns gelesen hatte, der 1814 einige Monate im Koma gelegen hatte. Dass Mary Shelley ihre naturwisssenschaftlichen und medizinischen Kenntnisse über Percy Shelley erlangte, erscheint jedoch schlüssiger. Beide kennen sich mindestens seit 1814 und haben 1816, als Mary Shelley an ihrem Roman zu arbeiten begann, geheiratet. Mary Shelley hatte - so Goulding - zahlreiche Gelegenheiten, Gespräche ihres Mannes etwa mit Lord Byron über naturwissenschaftliche Erkentnisse mitanzuhören. Da Percy Shelley mehrere Jahre Kontakt zu James Lind gehabt hatte, ist es wahrscheinlich, dass er im naturwissenschaftlichen Bereich recht profunde Kenntnisse besaß. Und Percy Shelley wird seiner Frau sicher von der persönlichen Art seines früheren Mentors erzählt haben.
Doris Marszk


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