Macht die Glückspille Prozac aggressiv?

Die Glückspille Prozac kann aggressiv machen. Darauf deuten Versuche amerikanischer Forscher an Mäusen. Am aggressivsten seien die Tiere am Tag nach der Einnahme gewesen, berichten die Biologen am Jahrestreffen der Gesellschaft für Neurowissenschaften in San Diego.
Die Forscher um George Wagner von der Rutgers Universität in New Brunswick verabreichten Mäusen hohe Dosen von Prozac und Alkohol in verschiedenen Kombinationen. Dann testeten sie deren Aggressivität und unterschieden dabei zwischen Angriffslust und aggressiven Reaktionen, wenn die Tiere gereizt wurden. Sie fanden, dass Mäuse, die Prozac geschluckt hatten, am Folgetag deutlich aggressiver auf elektrische Reizungen reagierten als zuvor. Die Tiere bissen jeweils in unbändiger Wut auf Objekte im Käfig ein. Diese Aggressivität wurde durch Alkohol drastisch verstärkt. Auf die Angriffslust hatte der Prozac-Konsum aber keinen Einfluss.

Die Resultate überraschten die Forscher. Sie hatten erwartet, dass Prozac die Mäuse eher zähmt. Denn die Substanz hält den Spiegel eines Hirnbotenstoffes, dem so genannten Serotonin, hoch, der beim Absinken bekanntermaßen aggressives Verhalten fördert. Tatsächlich fanden die Forscher, dass die Tiere am Tag der Prozac-Einnahme überaus gelassen waren. Erst am Folgetag neigten die Nager zu Aggressionen.

Für den Effekt haben die Forscher jetzt ein biochemische Erklärung gefunden. Da Prozac den Spiegel von Serotonin hochhält, indem es den Abbau bremst, nimmt die Menge an Abbauprodukten im Gehirn nach der Einnahme ab. Ein geringer Spiegel eines Abbauprodukts, der so genannten 5-Hydroxyindolessigsäure (5HIAA), wurde schon früher mit besonders brutalen Selbstmorden und aggressivem Verhalten in Verbindung gebracht. Die Forscher vermuten nun, dass das Absinken der 5HIAA-Konzentration in den Gehirnen der Tiere die Aggressivität bewirkt hat. Die Menge der Substanz war am Folgetag am tiefsten.

Die Resultate könnten möglicherweise auch die vereinzelten Berichte von Selbstmorden und Gewaltverbrechen von Prozac-Konsumenten erklären, spekuliert Wagner gegenüber dem "New Scientist". Es sei aber noch nicht klar, ob die Glückspille auch Menschen aggressiver macht, die Prozac in deutlich geringeren Mengen und über einen längeren Zeitraum schlucken als die Tiere im Versuch. Auch weist der Forscher John Mann von der Universität von Columbia, der die Studie als "sehr interessant" bezeichnet, darauf hin, dass Prozac in den bisherigen Untersuchungen an Menschen aggressives Verhalten nicht gefördert hat.

ddp/bdw - Marcel Falk


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