Kinder in homosexuellen Familien sind seelisch stärker

Kinder mit zwei Müttern oder mit zwei Vätern entwickeln sich so gut (oder so schlecht) wie in heterosexuellen Familien auch. Was Kinder aus homosexuellen Familien allerdings von anderen Kindern unterscheidet, ist ihre früh geschulte Fähigkeit zur Abwehr von Stereotypen und intolerantem Verhalten. Diese These vertreten zwei amerikanische Wissenschaftler in einem Artikel der Fachzeitschrift The American Sociological Review.
Die Soziologen Judith Stacey und Timothy Biblarz von der University of Southern California, haben 21 frühere Studien über Kinder von homosexuellen Paaren auf Hinweise zu Unterschieden gegenüber Kindern von heterosexuellen Paaren durchgesehen. Bisher sei immer betont worden, dass es keinen Unterschied gibt, so die Forscher. Es habe geradezu eine "Kein-Unterschied"-Doktrin gegeben, wie die beiden Soziologen es formulieren. Diese Doktrin ist als Reaktion auf bestimmte Wissenschaftler zu verstehen, die sowohl in der Wissenschaft wie auch in Gerichtsprozessen die Ansicht verbreiteten, das Kindeswohl sei nur bei heterosexuellen Eltern gewährleistet. Mit gesicherten soziologischen Erkenntnissen möchten Stacey und Biblarz mehr Objektivität in die Diskussion bringen.

Nach den neuesten Erkenntnissen von Stacey und Biblarz ist auch weiterhin davon auszugehen, dass Kinder in homosexuellen Familien so glücklich (oder unglücklich) sind wie in heterosexuellen Familien auch. Allerdings müssen die Kinder homosexueller Paare früh lernen, mit Spott und Hänseleien ihrer Altersgenossen umzugehen. Manchmal müssen sie auch die Intoleranz der Eltern ihrer Schulkameraden ertragen. Doch die Studien zeigten, so die beiden Soziologen, dass die Kinder homosexueller Eltern demgegenüber "eine beeindruckende psychische Stärke an den Tag zu legen scheinen."

Kinder, die in schwulen oder lesbischen Familien aufwachsen, neigen auch weniger als andere Kinder dazu, Geschlechterstereotype aufzugreifen. Denn sie sehen täglich, dass zwei Frauen oder zwei Männer notwendige Arbeiten im Haus nicht als "Männerarbeit" beziehungsweise "Frauenarbeit" auf den jeweils anderen Partner abwälzen können. Mädchen, die zwei Mütter haben, entwickeln auch andere Berufswünsche als ihre Schulkameradinnen aus heterosexuellen Familien. Töchter lesbischer Frauen möchten zum Beispiel öfter Ingenieurin, Juristin oder Astronautin werden.

Interessant ist auch die Erkenntnis der Forscher, dass die Homosexualität der Eltern offenbar nicht "ansteckend" wirkt. Die Kinder werden hetero- oder homosexuell wie andere auch. Homosexualität ist für sie jedoch mehr im Bereich des Möglichen als für andere Kinder und sie erleben ihre sexuelle Orientierung bewusster. Wenn sie heterosexuell sind, dann nicht deshalb, weil es eben so üblich ist, sondern weil sie sich wirklich so fühlen.

Stacey und Biblarz erachten ihre Studie als notwendig, da die Betonung der Unterschiedslosigkeit von Kindern aus homo- und heterosexuellen Familien auf lange Sicht an der Realität vorbei gehe und auch politisch in die Irre führe.
Doris Marszk


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