Ratten-Studie bringt Beweis für "Zucker-Abhängigkeit"

Zucker in der Nahrung kann mindestens abhängig, vielleicht gar süchtig machen. Dies erklärte Bart Hoebel vergangenen Samstag auf dem jährlichen Treffen der American Psychological Society. Hoebel von der Princeton University hat sich auf die neurowissenschaftlichen Grundlagen von Suchtverhalten spezialisiert. Er glaubt, dass das Gehirn auf dem menschlichen Geschmack schmeichelnde Dinge wie Zucker, Fett, Eis und Kuchen mit einem suchtähnlichen Verhalten reagiert.
Für ihre Untersuchungen fütterten die Wissenschaftler Ratten über ein paar Wochen Ratten mit einer zuckerhaltigen Lösung, unterließen dann aber abrupt die Versorgung der Nagetiere mit dem Zucker oder gaben ihnen ein Medikament, das die Opiatrezeptoren im Gehirn blockierte.

Viele Studien haben bisher gezeigt, dass eine Aktivität im Nucleus accumbens, einer Region in der Vorderseite des Gehirnes, der Schlüssel zu der Sucht nach dem "high"-Gefühl der Konsumenten von Suchtsubstanzen ist. Die Einnahme von Drogen veranlasst im Nucleus accumbens eine Ausschüttung von Opioiden, unter anderem auch von Dopamin.

Opioide sind Substanzen, die durch eine Beeinflussung spezifischer Opiatrezeptoren eine betäubende Wirkung im Körper hervorrufen. Dopamin gilt als eine Triebkraft hinter dem Drogensuchtverhalten. Weil der Nucleus accumbens auch in die Regulierung der normalen Nahrungsaufnahme involviert ist, vermutete Hoebels Team, dass Nahrung ein drogenähnliches Suchtverhalten induzieren könnte.

Verglichen mit den Ratten, die normales Futter bekamen, zeigten die mit Zucker gefütterten Ratten milde Entzugserscheinungen, wie Zähneklappern, einer erhöhten Häufigkeit von hohem Rufen und Angst. Als die Forscher den Ratten einen erneuten Zugang zu der Zuckerlösung erlaubten, schlangen sie bis zu 30 Prozent der vorherigen täglichen Zuckerration innerhalb der ersten Stunde hinunter. In den folgenden Laboruntersuchungen der Gehirne der mit Zucker gefütterten Ratten zeigte sich zudem ein beschleunigtes Wachstum der Dopamin-Rezeptoren im Nucleus accumbens: ein Hinweis für eine steigende Zucker-Abhängigkeit.

Scheinbar verursacht der Geschmack und nicht die Kalorienzufuhr diesen neuronalen Verhaltensprozess. Ratten, die mit Saccharin gefüttert wurden, zeigten ein ähnliches Abhängigkeits-Verhalten wie die mit Zucker genährten Ratten, auch wenn Saccharin keine Kalorien enthält. "Der Beweis bisher ist, dass es funktioniert, wenn es gut schmeckt", sagte Hoebel.

Dies sei keine Zuckersucht, aber eine Zuckerabhängigkeit. Bei einer Abhängigkeit erhalten die Individuen immer noch etwas Gewalt über ihr Verlangen nach einer besonderen Substanz aufrecht. Sie verlieren aber diese Kontrolle, wenn die Abhängigkeit zur Sucht wird. Laut Hoebel könnte die Genetik eine große Rolle bei solch einer Entwicklung zum "Nahrungs-Missbrauch" haben.
Nicole Waschke


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