Bienen sind schlauer als bisher gedacht

Die Honigbiene Apis mellifera kann im Training lernen, zwischen "gleichen" und "anderen" Objekten zu unterscheiden und diese in Gruppen zusammenzufassen. So lernt sie etwa, dass rot und blau in die Gruppe der Farben einzuordnen sind, während gestreifte Muster in einer andere Kategorie gehört. Anhand dieser hohen kognitiven Fähigkeiten kann sie auf ihrem Flug durchs Labyrinth zielsicher die richtigen Wegmarkierungen erkennen, wie Wissenschaftler nun in der Fachzeitschrift Nature veröffentlichten.
Das Wissenschaftlerteam um Martin Giurfa von der Freien Universität Berlin trainierten die Bienen darauf, sich mit Hilfe von Markierungen am Wegesrand in einem komplexen Irrgarten zurechtzufinden. Hierzu ließen sie die Insekten durch ein Y-förmiges Labyrinth fliegen, an deren Ende, bei richtiger Zuordnung, eine zuckrige Belohnung auf sie wartete. Jede Biene betrat den Irrgarten durch ein Loch in der Mitte der Eingangswand, an der sie zum ersten Mal auf den Stimulus - entweder eine bestimmte Farbe oder ein Muster - traf. In einer darauffolgenden "Entscheidungskammer" mussten sich die Tiere zwischen zwei möglichen Wegen entscheiden. Jeder Seitenarm war wieder mit einem Stimuli markiert. Wählte das Tier dieselbe Markierung wie am Eingang, konnte sie am Ende an der Zuckerlösung naschen.

Die Wissenschaftler trainierten den Bienen an, sich entweder an Farben oder an Mustern zu orientieren. Für manche Tiere war also rot das Zauberwort, während andere auf Muster reagierten. In Transfertests untersuchten die Forscher anschließend, ob die Bienen ihr antrainiertes Wissen auch auf die Objekte der anderen Gruppe übertragen konnten. Das gelang. Denn die auf Farben spezialisierten Bienen konnten auch erkennen, dass verschiedene Muster in einer Gruppe zusammengehören und dass die neuen Markierungen ebenfalls erfolgreich bis zum Ziel führen.

Somit besitzen die Tiere die abstrakte Fähigkeit, ein generelles Konzept an Gleichheit zu erfassen und dies auf völlig neue Stimuli zu transferieren. Mit ihrer kognitiven Leistung, passende Objekte aus einer Gruppe zu wählen, können die Bienen mit Wirbeltieren konkurrieren. Bislang glaubten die Forscher, dass nur hochentwickelt Tierarten, besonders Säugetiere, zur Unterscheidung zwischen "gleich" und "anders" in der Lage wären. "Unsere Ergebnisse zeigen, dass höhere kognitive Fähigkeiten kein Privileg von Wirbeltieren sind", sagte Giurfa.

Dr. Dagmar Knopf


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