Mit Lasern zur Selbstwahrnehmung im Spiegel

Ein Affe in einem Versuchs-Apparat zum Laser-Training (Foto: PNAS, DOI: 10.1073/pnas.1620764114)

Das bin ich! Die Gemeinde der tierischen Meister des Spiegeltests ist klein. Doch möglicherweise müssen manche Arten nur erst einmal lernen, wie ein Spiegel funktioniert, um den Test zu bestehen. Das scheint zumindest für Rhesusaffen zu gelten, zeigen erneut Experimente: Wenn die Tiere durch ein Training mit Lasern die Funktion eines Spiegels begriffen haben, bestehen sie anschließend spontan den Spiegeltest und nutzen ihn auch für Untersuchungen ihres eigenen Körpers.

"Was hab ich denn da in meinem Gesicht?" Menschen begreifen etwa ab einem Alter von zwei Jahren die Funktion eines Spiegels. Menschenaffen und einige wenige andere Tierarten besitzen diese Fähigkeit zur Selbstwahrnehmung ebenfalls. Als Beweis dafür gilt  die Punktprüfung im Rahmen eines Spiegeltests: Malt man beispielsweise einem Schimpansen, der mit Spiegeln vertraut ist, einen Punkt ins Gesicht, wundert er sich über den Anblick und berührt an sich selbst die betreffende Stelle. Auch Elefanten machen das mit ihrem Rüssel und sogar Elstern zeigen entsprechendes Verhalten: Sie kratzen sich an der markierten Stelle mit ihren Krallen.

"Versager" im Blick

Doch warum scheitern andere Tiere beim Spiegeltest? Ist das ein Beweis dafür, dass sie nicht die Voraussetzungen für ein Ich-Bewusstsein besitzen? Ein unklarer Kandidat war lange der Rhesusaffe, denn spontan besteht er den Markierungs-Test nicht. Auf frühere Experimenten aufbauend, konnten die Forscher um Neng Gong von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Shanghai nun aber klar zeigen: Rhesusaffen können durchaus den Spiegeltest bestehen – allerdings nur, wenn man ihnen zuvor klar gemacht hat, was ein Spiegel macht. Möglicherweise gilt dies auch für andere Tiere, die bisher beim Spiegeltest versagt haben, sagen die Wissenschaftler.

In früheren Experimenten hatten die Forscher die Rhesusaffen den Spiegeleffekt gleichsam spüren lassen: Sie platzierten Versuchstiere vor Spiegel und erzeugten mittels eines speziellen Lasersystems farbige Lichtpunkte im Gesicht der Affen, die leicht reizend waren. Die Affen konnten den Punkt also im Spiegel sehen und gleichzeitig fühlen. Dadurch begriffen einige Tiere die Funktion des Spiegels. Wie die Forscher nun zeigen konnten, ist aber ein so drastisches Verfahren gar nicht nötig: Die Tiere können auch durch ein rein visuelles Training begreifen, wie ein Spiegel funktioniert.

Meister im Spiegel

Für Belohnungen setzten sich die Versuchstiere der Forscher dazu auf einen Stuhl, bei dem die freie Bewegung ihres Kopfes blockiert war. Nur in einem Spiegel vor sich konnten die Affen sehen, wohin die Forscher einen Laser-Strahl auf einen Punkt in ihrer Reichweite  strahlten. Auf diesen Punkt sollten die Affen mit der Hand deuten – bei Erfolg bekamen sie eine Belohnung. Mit anderen Worten: Im Spiegel sahen sie den Laserpunkt rechts neben sich – berührten sie ihn, gab es ein Leckerli.

Nach einiger Zeit wurden die Tiere Meister im spiegelbildlichen Laser-Punkt-Jagen, berichten die Forscher. Diese so trainierten Tiere konfrontierten sie nun mit dem eigentlichen Spiegeltest: Zunächst strahlten sie dazu den harmlosen Laserpunkt auf den Körper der Versuchstiere. Sofort begriffen die Affen, dass sie sich selbst berühren mussten. Auch in ihrem natürliche Umfeld reagierten sie auf Laserpunkte auf ihrem Körper in dieser Weise, wenn ein Spiegel vorhanden war. Auch den Standard-Spiegeltest bestanden die trainierten Affen spontan: Hatten die Forscher ihnen beispielsweise ein Ohr rot angemalt, erkannten die Tiere dies in ihrem Spiegelbild und versuchten die Farbe zu entfernen - ähnlich wie ein Mensch sich mittels seines Spiegelbilds putzen würde.

Den Forschern zufolge zeigen die Beobachtungen, dass die Rhesusaffen nach dem Training zu einer komplexen Selbstwahrnehmung im Spiegel fähig waren. Sie nutzen das Werkzeug sogar, um sich Stellen an ihrem Körper zu betrachten, die sie ohne Spiegel nicht sehen können. Den Forschern zufolge scheitern möglicherweise auch einige andere Tierarten beim Spiegeltest - nicht, weil ihnen die Fähigkeit zum Ich-Bewusstsein fehlt, sondern weil das Standardverfahren für sie ungeeignet ist. Möglicherweise brauchen sie zunächst einmal Hilfe, um die Funktion des Spiegels zu erfassen, so die Forscher.

Video: Ein Rhesusaffe betrachtet sich sein Hinterteil im Spiegel. (Credit: PNAS, DOI: 10.1073/pnas.1620764114)

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