Intelligenz-Gene identifiziert

Erblich bedingt - aber nicht nur: die Intelligenz. (Grafik: efks/iStock)

"Der scharfe Verstand liegt in der Familie..." Es ist allgemein bekannt, dass Intelligenz beim Menschen zu einem erheblichen Anteil erblich bedingt ist und auch Studien belegen dies klar. Doch wie sich nun erneut gezeigt hat, gibt es DAS Intelligenzgen nicht: Forscher haben 40 neue Erbanlagen aufgedeckt, die mit Intelligenz verknüpft sind. Die meisten dieser Gene sind erwartungsgemäß im Gehirn aktiv und steuern dort zellbiologische Vorgänge. Ihre Identifizierung ermöglicht es nun, sich in der Intelligenzforschung auf spezielle Erbanlagen und ihre Funktionen zu konzentrieren, sagen die Forscher.

Wie viel ist erblich bedingt und welchen Einfluss spielt die Umwelt bei der Entwicklung der kognitiven Leistungen eines Menschen? Dieser grundlegenden Frage sind Forscher bereits in früheren Studien vor allem durch Untersuchungen an eineiigen Zwillingen nachgegangen, die getrennt aufgewachsen sind. Da ihr Erbgut gleich ist, müssen Unterschiede in der Intelligenzleistung durch die Umweltfaktoren geprägt sein. Dabei zeichnete sich ab: Bis zu 80 Prozent der Intelligenzunterschiede beim Menschen sind auf genetische Unterschiede zurückzuführen. Damit rückt die Frage zunehmend ins Zentrum: Was sind denn das für Erbanlagen?

Dem Fundament des Grips auf der Spur

Dieser Frage hat sich nun erneut ein internationales Forscherteam gewidmet. Sie haben dazu eine sogenannte genomweite Assoziationsstudie durchgeführt, die fast 80.000 Menschen umfasste. Von diesen Personen standen die Erbgutinformationen zur Verfügung sowie die Ergebnisse von Intelligenz-Tests. Durch die Verknüpfung dieser beiden Informationen waren im Rahmen der  Assoziationsstudie Rückschlüsse möglich, welche genetischen Faktoren mit dem Merkmal Intelligenzquotient verknüpft sind. Mit anderen Worten: Menschen mit einem besonders hohen IQ haben auffällig häufig bestimmte Gemeinsamkeiten in bestimmten Erbanlagen. "Neu ist vor allem das methodische Vorgehen der Studie", kommentiert Elsbeth Stern vom Institut für Verhaltensforschung der Eidgenössische Technische Hochschule Zürich: "Man ist nicht mehr allein auf Zwillingsstichproben angewiesen, sondern kann quasi weltweit auf alle Personen zugreifen, die ihre Intelligenztestleistung und ihr Genom zur Verfügung gestellt haben."

Durch die Assoziationsstudie zeichneten sich nun schließlich einige Gene ab, die mit Intelligenz beim Menschen zu tun haben – bei 40 von ihnen war diese Funktion bisher nicht bekannt. Dass es sich um Drahtzieher der Intelligenzentwicklung handelt, wird den Forschern zufolge auch daran deutlich, dass die meisten dieser Gene im Gehirn aktiv sind. Sie sind dort wohl hauptsächlich an Zellentwicklungswegen beteiligt. "Diese Studie ist die erste, die überzeugend die polygene Struktur des Merkmals Intelligenz beweist", kommentiert André Reis vom Humangenetischen Institut der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg das Ergebnis seiner Kollegen.

Welche Bedeutung hat diese Forschung?

Auf die Frage, welchen praktischen Sinn es haben kann, Intelligenzgene zu kennen, sagt Elsbeth Stern: "Zunächst einmal wenig. Erst wenn man irgendwann Gene findet, aus denen sich zuverlässig Lernstörungen ableiten lassen, könnte man früher mit gezielten Fördermaßnahmen beginnen." Dass sich irgendwann die Intelligenz eines Menschen an seinen Genen ablesen lässt, glaubt sie nicht: "Das sehe ich nicht kommen, auch wenn man irgendwann mehr als derzeit 4,8 Prozent der Intelligenzunterschiede auf konkrete Gene zurückführen kann. Intelligenzunterschiede werden zwar durch genetische Unterschiede gesteuert, aber Intelligenz ist ein Merkmal mir sehr hoher Variabilität. Die Gene können ihre Wirkung nur unter anregenden Umweltbedingungen auf die Hirnentwicklung und damit auf die Intelligenz entfalten. Wenn genetisch identische Samenkörner an guten oder schlechten Standorten gepflanzt werden, zeigen sich ja auch Unterschiede", so die Forscherin.

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