Erster Meteorit aus dem Steinheimer Becken

Erst als ein Teil dieses Kalksteinblocks abgetrennt wurde, trat das Meteoritenfragment zutage (Foto: Michael Hölzel)

Vor knapp 15 Millionen Jahren schlugen in Süddeutschland zwei Meteoriten ein und schufen das Nördlinger Ries und das Steinheimer Becken. Ob beide Bruchstücke des gleichen Asteroiden waren oder zwei verschiedene Himmelskörper, blieb jedoch unbekannt – bis jetzt. Denn nun haben Forscher das erste Fragment des Meteoriten entdeckt, der einst das Steinheimer Becken schuf. Es handelt sich um einen extrem seltenen Stein-Eisen-Meteoriten – und damit um einen ganz anderen Meteoritentyp als beim Ries-Asteroiden.

Vor knapp 15 Millionen Jahren war Süddeutschland ein subtropisches Paradies mit immergrünen Wäldern, bevölkert von Krokodilen, Pelikanen und Affen. Doch diese Idylle endete abrupt: Ein rund ein Kilometer großer Asteroid und sein rund 150 Meter großer Begleiter rasten auf die Erdoberfläche zu und schlugen ein. Die Landschaft verwandelte sich in eine Gluthölle, Unmengen Gestein verdampften und zwei Krater entstanden – das gut 20 Kilometer große Nördlinger Ries und südwestlich davon das knapp vier Kilometer große Steinheimer Becken. Dieser Einschlag verändert die Landschaft Süddeutschlands nachhaltig. Der Ries-Krater trennt seither die Schwäbische Alb von der im Süden liegenden Fränkischen Alb. Obwohl beide Senken schon seit Jahrtausenden bekannt und besiedelt sind, erkannte man erst in den 1960er Jahren, dass es sich um Meteoritenkrater handelte.

Fund in einem Kalksteinblock

Lange blieb jedoch unklar, ob es sich bei diesem Doppeltreffer um zwei Bruchstücke des gleichen Asteroiden gehandelt hat oder um einen Asteroiden mit einem von ihm eingefangenen Mond. Der Grund: Im Steinheimer Becken wurden keinerlei Meteoritenreste gefunden, weshalb man davon ausging, dass der kleinere Brocken damals komplett verdampft sein muss. Jetzt jedoch haben Forscher doch noch ein Fragment des Steinheim-Meteoriten entdeckt – mitten im Meteorkratermuseum in Steinheim. Das Meteoritenstück war in einem einen Meter großen Kalksteinblock verborgen, der seit 20 Jahren im Museum ausgestellt wurde. Dieser Stein ist von so genannten Strahlenkegeln durchsetzt und konnte von den Museumsbesuchern nicht nur betrachtet, sondern auch angefasst werden. Ein Umstand, der vermutlich dazu beitrug, dass sich ein Riss im Gestein öffnete. Aus Sicherheitsgründen wurde daraufhin ein kleiner Teil des Blocks entfernt.

Als die Forscher auf diese Weise ins Innere des Blocks sehen konnten, war ihre Überraschung groß: Sowohl auf dem entfernten Stück als auch auf dem verbliebenen Block wurde ein metallisch glänzendes Bruchstück sichtbar. "Ich war von diesem metallisch glänzenden Stück wie elektrisiert", erzählt Meteoritenforscher Elmar Buchner von der Hochschule für angewandte Wissenschaften Neu-Ulm. "Allerdings sah es zunächst gar nicht so aus, als ob es sich um einen Meteoriten handelt, da Teile davon stark verwittert sind." Doch nach aufwändiger Präparation und umfangreichen Analysen bestätigte sich der Verdacht der Forscher: Bei dem metallischen Bruchstück handelt es sich tatsächlich um ein Meteoritenfragment – und damit um den allerersten in Baden-Württemberg gefundenen Meteoriten. Den Analysen nach stammt er wahrscheinlich von dem Brocken, der vor knapp 15 Millionen Jahren das Steinheimer Becken schuf.

Doppeltreffer nicht aus gleichem Material

Und nicht nur das: "Auch wenn es sich bei dem jetzigen Fund nur um ein wenige Zentimeter großes Metallfragment handelt, können wir sagen, dass es einer der seltensten Meteoritentypen überhaupt ist", freut sich Michael Rasser vom Naturkundemuseum Stuttgart. Denn das Meteoritenrelikt stammt von einem Pallasit, einem der seltensten Meteoritentypen überhaupt. Diese Stein-Eisen-Meteoriten bilden sich vermutlich in größeren Asteroiden in der Grenzschicht zwischen Nickel-Eisen-Kern und Steinmantel.

Der Meteoritenfund ist für die Forscher ein einzigartiger Zeuge des Geschehens vor knapp 15 Millionen Jahren. Erstmals liefert er Anhaltspunkte dafür, wie die beiden Einschläge im Nördlinger Ries und im Steinheimer Becken zusammenhingen. Während der Ries-Meteorit vermutlich ein Steinmeteorit war, war der Steinheimer Meteorit ein Stein-Eisen-Meteorit. Damit ist klar, dass der Doppelimpakt nicht von zwei Bruchstücken desselben Asteroiden verursacht worden sein kann. "Dies bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass es sich um zwei unabhängige Meteoriteneinschläge gehandelt haben muss", erklärt Buchner. "In unserem Sonnensystem sind relativ kleine Asteroiden unterwegs, die einen oder mehrere winzige Monde mit sich führen. Ein solcher Doppelasteroid aus zwei unterschiedlichen Körpern könnte auch in Süddeutschland eingeschlagen sein."

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