Video der Woche: „Singende" Fliegen-Männer



Video und Audio: Eine männliche Taufliege verfolgt ein Weibchen (pink) und stimmt dabei seinen „Gesang" an. Credit: Courtesy of Philip Coen, Princeton Neuroscience Institute

Winzig und scheinbar simpel – doch bei genauer Betrachtung erweisen sich Taufliegen als erstaunlich komplexe Wesen. Das haben sie nun erneut unter Beweis gestellt: US-Forscher berichten über das raffinierte Balzverhalten der winzigen Insekten. Die Männchen verzaubern ihre „Herzensdamen" demnach mit Gesang, dessen Eigenschaften sie auf die Reaktionen des Weibchens genau abstimmen. Das Verständnis, wie schnelle Entscheidungsprozessen zustande kommen, könnte von dieser Erkenntnis profitieren. Das gilt auch für die Erforschung von Reaktionen des Menschen, sagen die Forscher.

Im Sommer wimmeln sie in der Biotonne, stürzen sich in Weingläser oder landen zielsicher auf dem frisch zubereiteten Obstsalat: Drosophila melanogaster, die schwarzbäuchige Taufliege, genießt beim Durchschnittsbürger kein hohes Ansehen. Doch unter Forschern sehr wohl: Das stecknadelkopfgroße Insekt ist eines der weit verbreitetsten Versuchstiere in der Biologie. Drosophila repräsentiert einen Modellorganismus, denn egal, ob winzige Fliege, riesiger Blauwal oder Mensch - viele Gene und Abläufe sind prinzipiell bei allen Arten ähnlich. So lassen sich Erkenntnisse, die Forscher an Drosophila gewinnen oft auch auf andere Lebewesen übertragen.

Es war bereits bekannt, dass Drosophila ein durchaus komplexes Balzverhalten zeigt: Die Männchen präsentieren den Weibchen ein Ritual, zu dem auch eine Art Gesangsdarbietung gehört. Diese akustischen Signale, die das Weibchen auf die Paarung
einstimmen sollen, erzeugt das Männchen mit seinen Flügeln. Das Lied setzt sich aus einem eher sanften summenden Ton und einer Art Puls zusammen. Was in unseren Ohren wie Schnurren klingt, wirkt auf das Fliegenweibchen offenbar anziehend und entscheidet über den Paarungserfolg des Männchens.

Rennt sie weg, singt er lauter

Die Forscher um Mala Murthy von der Princeton University haben bei diesem kuriosen Verhalten nun noch einmal genau zugesehen und hingehört: Mit feinen Mikrophonen und Kameras verfolgten sie die Bewegungen der Tierchen beim Balzverhalten und zeichneten parallel dazu die Fliegenmusik auf. Der Vergleich dieser beiden Komponenten offenbarte: Die Fliegen-Männer dudeln ihr Lied nicht nur einfach ab, sondern passen es an das Verhalten ihrer Herzensdame an. Ist sie ihnen nah, singen sie sanft, entfernt sie sich hingegen oder bewegt sich schnell, singen sie lauter. Die Männchen verschieben dazu das Verhältnis von sanfterem Summen und lauterem Pulsen in ihrer Musik. Bei dieser Modulation verlassen sie sich auf Informationen ihres Sehsinns, zeigten weitere Untersuchungen der Forscher: Blinden Fliegen-Männchen entgehen die Reaktionen der Weibchen und sie können ihr Lied nicht mehr abstimmen.

„Der Fliegen-Mann misst ständig seine Distanz zum Weibchen und erfasst Informationen über ihre Bewegungen. Diese beiden Informationen integriert er, um das Muster seines Liedes anzupassen", resümiert Murthy. „Dieses Verhalten macht die Fliegen zu einem spannenden Modell für das Verständnis der Vorgänge, wenn Sinneseindrücke das Verhalten von Lebewesen beeinflussen", so die Biologin. Denn vermutlich stecken ähnliche nervliche Grundprinzipien hinter schnellen Reaktionen – sei es im Fall des Menschen im Straßenverkehr, wenn ein Gepard eine Gazelle jagt oder eben wenn ein Fliegenmännchen seinen Gesang abstimmt.

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