Video der Woche: Perfekt simuliertes Altern



Ein rundes Kindergesicht, große Augen und noch fast geschlechtslose Züge. Wie wird ein dreijähriges Kind in 20, 40 oder gar 70 Jahren einmal aussehen? Ein neu entwickeltes Computerprogramm von US-Forschern kann dies nun offenbar mit erstaunlicher Genauigkeit vorhersagen. Die Software verwandelt Fotos von Kleinkindern unabhängig von Belichtung, Pose und Gesichtsausdruck in das jeweilige Aussehen zu unterschiedlichen Altersstufen. Die Resultate sind so überzeugend, dass Probanden sie nicht von realen Vorher-Nachher-Bildern einer jeweiligen Person unterscheiden können, zeigen Tests. Das Programm könnte bei der Identifikation seit der Kindheit vermisster Personen hilfreich sein, sagen die Forscher.

Das Portraitfoto eines Kleinkindes am Computer altern zu lassen, ist eine große Herausforderung, betonen die Forscher um Ira Kemelmacher-Shlizerman von der University of Washington. Denn die Veränderungen im Laufe der Kindheitsentwicklung sind besonders umfangreich. Grundlage ihres neuen Konzeptes bilden Bildinformationen Tausender zufällig erfasster Fotos aus dem Internet, die nach Alter und Geschlecht zugeordnet wurden. Aus ihnen entwickelten die Forscher allgemeingültige Schemata, wie sich Gesichter im Laufe des Alterns ändern. Diese implementierten sie in ihre Software, so dass sie das Programm auf eingegebene Fotos von Kindern anwenden kann. Bis zu einem Alter von 80 Jahren kann das Aussehen auf diese Weise vorausberechnet werden. Außerdem zeigt sich das Programm sehr unempfindlich gegenüber Störgrößen: Winkel, Lichteinfall und Posen gleicht es automatisch aus.

Vergleich mit Realbildern bestanden

Doch wie gut klappt das Verfahren wirklich? Dieser Frage sind die Forscher durch Tests nahegegangen. Sie präsentierten einer Gruppe von Probanden dazu Kinderfotos und Aufnahmen im weiter fortgeschrittenen Alter von 82 Personen. Bei den Bildern handelte es sich sowohl um reale Fotos der jeweiligen Person als auch um von der Software erzeugte Versionen mit den Kinderbildern als Ausgangsmaterial. Die Probanden sollten nun zuweisen, welches Foto echt und welches computergeneriert war. Das Ergebnis zeigte, wie leistungsfähig das Programm ist: „Probanden können meist nicht unterscheiden, ob es sich um ein künstlich gealtertes Kinderbild oder um ein reales Erwachsenen-Foto der jeweiligen Person handelte", resümiert Co-Autor Steven Seitz das Ergebnis.

 

Die Software könnte bei der Suche nach Personen hilfreich sein, die seit ihrer Kindheit vermisst sind, sagen die Forscher. Bisher werden dazu von Künstlern gezeichnete Bilder benutzt. Sie versuchen ebenfalls oft ausgehend von Kinderfotos ein möglichst naturgetreues Abbild der jeweiligen Person im Erwachsenenalter herzustellen. Doch die Vorhersage bei Kindern, die jünger als fünf Jahre sind, hat sich als schwierig und aufwendig herausgestellt. Die Software der Forscher kann hingegen auf jedem normalen Computer laufen und binnen 30 Sekunden zu eindrucksvollen Ergebnissen führen, sagen die Wissenschaftler.
 

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