Kurioses aus der Natur: die Flickflack-Spinne



Von den Füßen auf die Hände und so weiter: Mit einer Folge von Flickflacks wirbeln Kunstturner über den Boden. Genau das macht auch eine neu entdeckte Spinnenart aus Marokko, berichtet Peter Jäger vom Senckenberg Forschungsinstituts in Frankfurt. Der Spinnen-Experte stellt Cebrennus rechenbergi und ihre kuriose Fortbewegungsweise nun erstmals in einer Fachzeitschrift vor. Jäger benannte die Flickfack-Spinne nach ihrem eigentlichen Entdecker, dem Bioniker Ingo Rechenberg von der TU-Berlin. Die skurrile Fortbewegungsweise inspirierte ihn zum Bau eines kuriosen Roboters, der im Überschlags-Verfahren über den Sand wuseln kann.

Rechenberg hatte die Spinne während eines Marokkoaufenthaltes entdeckt und sie Jäger zur taxonomischen Bestimmung übergeben. Dass es sich um eine neue Art handelte, stellte dieser durch eine akribische Untersuchung ihres Körperbaus fest: Er konnte Cebrennus rechenbergi von der nah verwandten Cebrennus villosus aus Tunesien anhand winziger Abweichungen der Geschlechtsorgane unterscheiden. „Aber auch die einmalige Fortbewegungsweise ist ein Kriterium zur Abgrenzung der beiden Arten", betont Jäger. Denn offenbar handelt es sich nur bei Cebrennus rechenbergi um eine Kunstturnerin.

Dieses Verhalten zeigt sie, wenn sie die Sicherheit ihres Zuhauses verlassen muss. Mit ihren Tastern und speziell verlängerten Borsten gräbt sich Cebrennus rechenbergi nämlich ein röhrenartiges, mit Seide befestigtes Domizil aus Sand, welches sie vor Sonne und Fressfeinden schützt. Wird sie bei Ausflügen gestört, macht sie sich durch ihre skurrile Fortbewegungsweise fix vom Acker: Elegant stößt sie sich vom Boden ab und schlägt dann mit ihren Beinen eine Folge schneller Flickflacks, dokumentieren die Filmaufnahmen des Forschers. Dabei ist sie den Beobachtungen zufolge auch sehr flexibel: Ob bergauf, bergab oder auf ebenem Terrain – Cebrennus rechenbergi rotiert über alle Geländearten elegant hinweg.

Bioniker entwickelt Flickflack-Spinnen-Roboter

Mit knapp zwei Metern pro Sekunde ist sie per Flickflack doppelt so schnell unterwegs wie im Laufmodus, berichtet Jäger. Es handelt sich um ein einzigartiges Verhalten betont er. Eine ihrer Verwandten aus Namibia - die Goldene Radspinne – kann beispielsweise nur passiv eine Düne hinunterkullern. Die Flickflack-Spinne kommt hingegen aktiv und effektiv durch Akrobatik ins Rollen.

 

Rechenberg war von der Bewegungsraffinesse der Flick-Flack-Spinne derart begeistert, dass er ein 25 Zentimeter großes Modell eines Spinnenroboters entwickelte, der sich nach dem Vorbild der Achtbeinerin bewegt: Der „Tabbot", benannt nach „Tabacha", dem aus der Berber-Sprache stammenden Wort für Spinne, kann sowohl laufen als auch Salto schlagend rollen, wie Filmaufnahmen zeigen. „Der Roboter könnte sich für den Einsatz in der Landwirtschaft, auf dem Meeresboden oder auf dem Mars eignen", meint Rechenberg.

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