Video der Woche: Skurrile Tränen-Tränke



Die Begeisterung über den bizarren Anblick ließ sich kaum im Zaum halten: Ein Schmetterling und eine Biene laben sich gleichzeitig an den Tränen eines Kaimans, der gerade auf einem umgestürzten Baum döst. Dieses Naturschauspiel bot sich Passagieren eines kleinen Bootes auf dem Fluss Puerto Viejo in Costa Rica. Unter ihnen der Naturforscher Carlos de la Rosa. Das kuriose Erlebnis inspirierte ihn zu Nachforschungen: Seinen Ergebnissen zufolge ist Tränen-Trinken durchaus ein weitverbreitetes Phänomen: Insekten verschaffen sich dadurch Mineralien und Proteine.

„Dieses Naturerlebnis so nah erleben zu können, war ein Traum", sagt Carlos de la Rosa von der Biological Station for the Organization for Tropical Field Studies in San Pedro. Etwa eine Viertelstunde konnten er und seine Mitreisenden das kuriose Szenario beobachten, fotografieren und filmen. Als wären es Blüten, umschwirrten der Schmetterling und die Wild-Biene die Augen des Kaimans, ließen sich nieder und steckten ihre Rüssel in die Krokodilstränen des unbekümmerten Tieres. Dabei kam die Frage auf: „Warum machen sie das? Wieso zapfen diese Insekten diese seltsame Quelle an?" berichtet de la Rosa.

Ihm zufolge bieten die salzigen Tränen den Insekten Mineralien, denn gerade für Vegetarier ist Salz eine kostbarer und seltener Nährstoff. Es ist bekannt, dass Schmetterlinge beispielsweise gezielt salzhaltige Schlammlöcher aufsuchen, um sich mit Mineralien zu versorgen. Wenn dies nicht möglich ist, sei es auch bereits bekannt, dass Insekten sich an kuriosesten Quellen bedienen, sagt de la Rosa: Sie tauchen ihre Saugrüssel auch in Urin, Blut, Schweiß und eben auch in Tränenflüssigkeit.

Um festzustellen, wie verbreitet das Tränen-Trinken tatsächlich ist, führte de la Rosa eine kleine Online-Recherche zu dem Thema durch. Er war überrascht, wie viele Berichte und Fotos zu diesem Phänomen bereits existieren. Die Augen vieler Tierarten und sogar die des Menschen wecken demnach offenbar den Durst von Insekten. „Eine Menge Menschen haben Schmetterlinge und Bienen bei dem Verhalten schon beobachtet", berichtet der Naturforscher. Seine Ergebnisse hat er in einem Artikel in der Fachzeitschrift „Ecological Society of America's journal Frontiers in Ecology and the Environment" veröffentlicht.

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