Video der Woche: Das ist unfair!

Das Video zeigt einen Auschnitt einer Präsentation von Frans Frans de Waal.

„Sauerei, die blöden Gurken kannst du behalten!" Das Verhalten dieses Affen scheint uns in kurioser Weise vertraut: Als er sieht, dass sein Kollege nebenan Trauben im Tausch gegen Steine erhält, wird er zornig, denn er bekommt für den gleichen Preis nur fade Gurkenscheiben. Unser Video der Woche untermalt damit eine aktuelle Publikation über die evolutionären Wurzeln des menschlichen Gerechtigkeitsgefühls.

Die Verhaltensforscher Frans de Waal und Sarah Brosnan von der Georgia State und Emory University in Atlanta untersuchen bereits seit einigen Jahren Fairness bei Affen. Nun haben sie ihre und die Ergebnisse anderer Studien zu einem Review zusammengefasst. Ihr Fazit: Das menschliche Gefühl für Gerechtigkeit hat sich entwickelt, um langfristige Kooperationsbereitschaft zu sichern.

Die Forschung der letzten zehn Jahre hat den Forschern zufolge gezeigt: Auch Affen haben ein Gefühl für Gerechtigkeit. Das konnten de Waal und Brosnan durch Experimente mit Kapuzineraffen im Jahr 2003 eindrucksvoll belegen. Bei dem Versuch im Video wurde ein Kapuzineraffe gezielt ungerecht behandelt, um herauszufinden, wie er darauf reagiert. Beide Tiere hatten gelernt, mit dem Experimentator zu handeln: Ein Leckerbissen kostet einen Stein. In einigen Versuchen erkauften sich die Tiere gleichermaßen Gurkenscheiben. Damit waren sie zufrieden – sie mampften beide brav die Gurken.

Ganz anders allerdings beim Experiment im Video. Hierbei bekam der rechte Affe die besonders leckeren Trauben während der linke weiterhin die vergleichsweise faden Gurken erhielt. Das ließ sich der Benachteiligte nicht bieten: Er warf die Gurkenscheiben empört der Forscherin entgegen und randalierte vor Zorn. Wenn die Wissenschaftler dieses Video bei Präsentationen einem Publikum zeigten, gab es stets lautes Gelächter – denn das Verhalten des Affen erscheint uns in kurioser Weise erstaunlich menschlich.

Fairness hat zwei Stufen

Die Fairness des Menschen hat allerdings noch eine Dimension, die dem Gerechtigkeitssinn der Kapuzineraffen fehlt, berichten de Waal und Brosnan: Wir wollen, dass auch Mitmenschen fair behandelt werden. Diesen Aspekt des Gerechtigkeitsgefühls teilen wir bisherigen Studien zufolge nur mit unseren nächsten Verwandten im Tierreich – den Menschenaffen: Gibt man einem Schimpansen die Wahl zwischen einem Verhalten, bei dem er bevorzugt wird im Gegensatz zu einer Variante bei dem sein Partner die gleich große Belohnung bekommt, entscheidet er sich für die Fairness.

Den Forschern zufolge spiegelt sich darin die besondere Bedeutung von Kooperation im Leben von Menschen und Menschenaffen wider. Die altruistische Form des Gerechtigkeitsgefühls soll vermutlich die langfristige Kooperationsbereitschaft sichern. Es handelt sich um eine erstaunlich hochentwickeltes Verhalten, betonen die Wissenschaftler. Ein Angebot auszuschlagen, das einen selbst bevorteilt erfordert nicht nur Weitsicht, sondern auch Selbstdisziplin und geistige Kontrolle", sagt Brosnan. „Unserer Ansicht nach ist das der Grund warum manche Arten zwar auf ihre eigene ungerechte Behandlung reagieren, ein komplexes Gefühl von Gerechtigkeit haben hingegen nur wenige entwickelt", so die Verhaltensforscherin.

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