Ein Schlawiner im Bernstein

Protoclaviger trichodens im Bernstein. Credit: © AMNH/J. Parker

Der Film Jurassic Park hat Bernsteinfossilien berühmt gemacht – auch wenn in der Realität bisher keine mit Dinoblut vollgesaugte Stechmücke gefunden wurde, so hat das versteinerte Harz doch tatsächlich immer wieder Faszinierendes zu bieten. Im aktuellen Fall hat ein 52 Millionen Jahre alter Bernstein einen ganz besonderen Käfer konserviert: Es handelt sich um den ältesten bekannten Vertreter parasitärer Insekten, die sich durch raffinierte Methoden bei Ameisen einschleichen, um sich von ihnen beschützen und füttern zu lassen.

Ein Ameisennest ist normalerweise wie eine Festung – außer den Staatsangehörigen kommt da keiner lebend rein, denn die wachsamen Insekten greifen jeden Fremdling an. Doch den Vertretern der Käfer-Gruppe der Clavigeritae ist es durch raffinierte Anpassungen gelungen, das Sicherheitssystem der Ameisen zu knacken. Die Details ihrer  „Masche" sind bisher unklar, vermutlich imitieren sie aber den Geruchs-Code der Ameisen, um sich von ihnen „adoptieren" zu lassen.

Dadurch können die Betrüger unbehelligt im behaglichen Nest leben und sich an den Vorräten und der Brut der Ameisen gütlich tun. Sie werden von ihnen darüber hinaus sogar aktiv gefüttert und umhergetragen. Dieser soziale Parasitismus ist offenbar ein ausgesprochen erfolgreiches Konzept: Bisher sind 370 Arten der ein bis drei Millimeter großen Käfer bekannt, die sich bei Ameisen in verschiedenen Regionen der Welt einschleichen. Vermutlich gibt es noch viele weitere unentdeckte Arten, sagen Experten.

Video: Aufnahmen eines heutigen Vertreters der Clavigeritae.

Nutznießer der Ameisen-Karriere

Joseph Parker von der Columbia University und David Grimaldi vom American Museum of Natural History in New York berichten nun über einen Bernstein, in dem sich ein früher Vertreter der Clavigeritae erhalten hat. Er lebte vor etwa 52 Millionen Jahre in einem tropischen Wald des heutigen Indien. Die Forscher nannten den Käfer Protoclaviger trichodens. Er zeigt ihren Untersuchungen zufolge bereits viele charakteristische Merkmale seiner heutigen Verwandten, doch einige Körperstrukturen sind noch ursprünglich: Es handelt sich also um eine evolutionäre Übergangsform. Doch die Forscher sind überzeugt, dass diese Käferart bereits unter Ameisen lebte. In der Fachsprache nennt man die die Bindung einer Art an Ameisen Myrmekophilie.

„Als diese Käfer bereits existierten, standen die Ameisen noch am Anfang ihrer Karriere", sagt Parker. Demzufolge gibt der Fund im Bernstein auch indirekt Informationen über die Ameisen dieser Zeit. „Die Nester waren offenbar bereits ausreichend groß und lukrativ, so dass sich diese superspezialisierten Käfer an sie anpassten". Als die Ameisen dann ihren großen Siegeszug über die Erde antraten, waren die Clavigeritae bereits fest an ihrer Seite. Obwohl sie so artenreich und weit verbreitet sind, bekommt man sie doch sehr selten zu sehen, sagt der Biologe. Auch aus diesem Grund erscheint es als etwas ganz Besonderes, dass Protoclaviger trichodens in einem Bernstein aufgetaucht ist.

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Der Autor ist ein brillant schreibender Wissenschaftler, der keinen Zweifel daran lässt, dass Tiere Freude, Liebe, Angst und Eifersucht fühlen und dass sie denken können.

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