Tod eines Königs: Stoß quer durchs Hirn

An dieser Stelle des Schadelinneren endete wohl der Todesstoß. University of Leicester

„Die Tragödie von König Richard III." - dieses Drama von William Shakespeare hat den letzten englischen Herrscher aus dem Hause Plantagenet berühmt gemacht. Nun berichten Forscher über dramatische Details seines Todes in der Schlacht von Bosworth im Jahr 1485. Ein Video dokumentiert den Moment, in dem die Experten an seinem Schädel die Spuren des brutalen Stoßes entdecken, der ihn wohl schließlich tötete. Der Schwert- oder Lanzenstich drang von unten ein, bohrte sich durch das Gehirn des Königs und hinterließ schließlich eine charakteristische Spur auf der gegenüberliegenden Innenseite des Schädels.

Die aktuelle Meldung zu Richard III. hat bereits eine spannende Vorgeschichte: Historischen Quellen zufolge soll der König nach der Schlacht in der Klosterkirche Grey Friars in Leicester ohne königliche Ehren und in einem unmarkierten Grab bestattet worden sein. So geriet seine Ruhestätte schließlich in Vergessenheit. Doch 2012 entdeckten britische Archäologen unter einem Parkplatz in Leicester ein Skelett, das in Alter und anatomischen Merkmalen sehr gut zu den historischen Beschreibungen passte: Es wies das passende Alter auf, zeigte eine durch Wirbelsäulenverkrümmung schiefe Schulter und Spuren schwerer Verletzungen. Den finalen Beweis, dass es sich um Richard III. handelte, lieferten dann DNA-Analysen.

Übel zugerichtet bis zum Todesstoß

2014 veröffentlichte Untersuchungsergebnisse des Skeletts hatten bereits belegt, dass Richard III. zum Zeitpunkt seines Todes übel zugerichtet worden war. Die forensischen Experten fanden Spuren von elf Verletzungen – neun davon am Kopf. Sie deuteten darauf hin, dass der Herrscher im Kampf seinen Helm eingebüßt hatte. Die aktuelle Veröffentlichung beschreibt nun eine Verletzungsspur die vermutlich den Todesstoß repräsentiert. Das Video zeigt wie die Archäologin Jo Appleby und der Pathologe Guy Rutty von der University of Leicester den Schädel untersuchen.

Die Aufnahmen dokumentieren, wie Rutty eine Verletzungsspur im unteren Bereich des Schädels analysierte. Als er sein Untersuchungswerkzeug dabei durch die entsprechende Öffnung richtete, landete er auf der gegenüberliegenden Innenseite des Schädels genau bei einer Spur im Knochen. „Durch meine Erfahrungen als Pathologe konnte ich die Verletzung im unteren Bereich des Schädels gut interpretieren", sagt Rutty.

Grausamer Showdown in der Schlacht von Bosworth

Ihm zufolge machen die Spuren folgendes Szenario wahrscheinlich: Ein Angreifer bohrte sein Schwert oder eine Lanze von unten in den Halsbereich von Richard und rammte die Spitze dann nach oben durch sein Gehirn, bis sie im Schädelknochen stoppte. Mit diesem dramatischen Showdown endete also offenbar das Leben des berühmt-berüchtigten Königs. Er war der letzte englische Monarch, der auf dem Schlachtfeld starb. Nun darf er wohl auch bald endlich Ruhe finden, wurde bereits im Oktober letzten Jahres verkündet: König Richard III. soll in der Kathedrale von Leicester beigesetzt werden, hat der High Court in London entschieden.

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