Jugendsexualität unter der Lupe

Positive Bilanz zu jugendlichem Sexualverhalten. Foto: imago/Westend 61

Wie hat sich das Sexualverhalten der Jugendlichen in den letzten Jahren entwickelt? Dieser Frage ist die Studie "Jugendsexualität 2015" der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) nachgegangen. Befürchtungen, wonach Jugendliche im Zeitalter der mit Sex überfrachteten Medien immer früher aktiv werden, haben sich darin nicht bestätigt. Außerdem scheint feste Partnerschaft durchaus hoch im Kurs zu stehen und auch beim Thema Verhütung verhalten sich die 14- bis 17-Jährigen offenbar durchaus umsichtig. Beim Thema zeichnen sich allerdings auch deutlich kulturell geprägte Unterschiede ab, berichtet die BzgA.

Die aktuelle Studie knüpft an Vorläuferstudien aus den Jahren 1980 bis 2010 an. Bei der "Jugendsexualität 2015" wurden die Befragungen nun allerdings nach oben ausgedehnt: Erwachsene im Alter von 18 bis 25 Jahren wurden ebenfalls eingeschlossen. Schwerpunktthemen waren erste sexuelle Erfahrungen, Verhütungswissen beziehungsweise Verhütungsverhalten und Aufklärung in Schule und Elternhaus.

Wann geht es los?

"Annahmen, wonach immer mehr junge Menschen immer früher sexuell aktiv werden, bestätigen sich nicht", betont Heidrun Thaiss vom BZgA. "Positiv ist auch zu sehen, dass eine feste Partnerschaft jungen Menschen beim ‘ersten Mal‘ wichtig ist", hebt sie hervor. Konkret ergaben die statistischen Auswertungen: Im Alter von 14 sind sexuelle Erfahrungen die Ausnahme - nur sechs Prozent haben sie in diesem Alter bereits. Ab dann scheint es loszugehen: Mit 17 haben mehr als die Hälfte Geschlechtsverkehr-Erfahrungen gemacht. Im Alter von 19 Jahren haben dann schließlich 90 Prozent der jungen Frauen deutscher Herkunft das "erste Mal" erlebt. Bei den jungen Männern sind es in diesem Alter hingegen erst 70 Prozent.

Kulturelle Unterschiede rund um das erste Mal

In den Ergebnissen der Studie zeichnet sich vor allem bei den jungen Frauen klar ein Einfluss des kulturellen Hintergrundes ab, berichtet die BzgA . Von den jungen Frauen mit Migrationshintergrund sind im Alter von 21 Jahren durchschnittlich erst 70 Prozent sexuell aktiv geworden. Moralische Bedenken scheinen dafür verantwortlich zu sein. 28 Prozent geben als Motiv an: "Vor der Ehe finde ich das nicht richtig". Nur etwa vier Prozent der deutschstämmigen Mädchen geben dies als einen Grund an. 20 Prozent der jungen Frauen mit Migrationshintergrund berichten auch von der Angst „die Eltern könnten davon erfahren" als Motivation für ihre Enthaltsamkeit.

Trend zu umsichtiger Verhütung

Beim Punkt Verhütungsverhalten kommt die Studie zu einem ausgesprochen positiven Fazit bei den 14- bis 17-Jährigen: Über 90 Prozent der sexuell aktiven jungen Menschen sprechen mit ihrem Partner oder ihrer Partnerin über Verhütung. Es zeichnet sich insgesamt ein erfreulicher Trend ab: 1980 trafen 29 Prozent der Jungen und 20 Prozent der Mädchen keine Verhütungsvorkehrungen beim "ersten Mal", heute sind es nur noch sechs bzw. acht Prozent. Für Jugendliche mit Migrationshintergrund ist ein Trendvergleich nur für die vergangenen zehn Jahre möglich. Bei Jungen mit ausländischen Wurzeln ging die Zahl Nichtverhütender beim "ersten Mal" von 34 Prozent im Jahr 2005 auf heute zehn Prozent zurück, bei den Mädchen von 19 Prozent auf zwei Prozent. "Es ist eine ausgesprochen erfreuliche Entwicklung, dass Jugendliche schon bei den ersten Sexualkontakten ganz besonders auf das Schutzverhalten achten", so Thaiss. Das Kondom ist bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit deutlichem Abstand das Verhütungsmittel Nummer eins: 73 Prozent der 14- bis 25-Jährigen geben dies an.

Sexualaufklärung wichtig

Gerade für männliche Jugendliche sei die Vermittlungsinstanz Schule wichtig, berichtet die BzgA. Im Schnitt geben 93 Prozent der Jugendlichen an, Themen der Sexualaufklärung im Unterricht besprochen zu haben. Auf die Frage nach der wichtigsten Bezugsperson im Rahmen ihrer Aufklärung gefragt, nennen Jungen Lehrer und Lehrerinnen an erster Stelle. Diese sind gerade für Jugendliche mit Migrationshintergrund wichtige Bezugspersonen, weil ihnen eher die Eltern als Ansprechpartner fehlen. Aktuell sprachen 63 Prozent der Mädchen und 51 Prozent der Jungen deutscher Herkunft mit ihren Eltern über Verhütung, aber nur 41 Prozent der Mädchen und 36 Prozent der Jungen aus Elternhäusern mit Migrationshintergrund. Generell betont die BzgA aber: "Das Elternhaus spielt bei der Sexualaufklärung eine wichtige Rolle. Eltern sind für ihre Kinder wichtige Vertrauenspersonen und eine zentrale Beratungsinstanz in Verhütungsfragen", sagt Thaiss.

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