Kippschalter für die Fettverbrennung

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Fett ist nicht gleich Fett: Das unbeliebte „Hüftgold“ besteht aus weißen Fettzellen, die überschüssige Energie in Form von Fett speichern. Genau umgekehrt wirken dagegen die sogenannten braunen Fettzellen: Wie eine Art Heizaggregat verbrennen sie das Überangebot - wirken also Übergewicht entgegen. Wissenschaftler suchen schon seit einiger Zeit nach einem Weg, die unerwünschten weißen Fettzellen in braune umzuwandeln. Dieser Vision sind deutsche Forscher nun ein Stück näher gekommen: Sie sind bei Mäusen einem genetischen Mechanismus auf die Spur gekommen, der wie ein „Kippschalter“ die Fettverbrennung reguliert. Vermutlich gibt es das gleiche System auch beim Menschen, sagen die Forscher um Yong Chen von der Universität Bonn.
Das Fettzellen regulierende System, das die Forscher entschlüsselt haben, basiert auf der Wirkung sogenannter Micro-RNA. Diese genetischen Steuerelemente beeinflussen die Aktivität bestimmter Gene – sie wirken also wie eine Art Kippschalter. Pfeifer und seine Kollegen haben nun herausgefunden, dass die Micro-RNA 155 zumindest bei der Maus maßgeblich am Gleichgewicht zwischen weißen und braunen Fettzellen im Körper beteiligt ist: Sie blockiert die Umwandlung der Fettspeicher in die verbrennenden Zellen.

Geschaltete Mäuse

Die Forscher führten ihre Untersuchungen mit genetisch veränderten Mäusen durch, bei denen Micro-RNA 155 entweder vermehrt oder gar nicht gebildet wurde. Die Untersuchungen der Tiere belegten: Die Mikro-RNA fungiert als Gegenspieler zu den braunen Fettzellen. Denn bei den Versuchstieren, die viel Micro-RNA 155 bildeten, war die Bildung des braunen Fetts gestört, bei den Vergleichstieren war sie dagegen verstärkt. „Solange ausreichend von der Mikro-RNA 155 vorhanden ist, wird die Produktion der braunen Fettzellen blockiert“, sagt Chen. Erst wenn ein bestimmtes Maß unterschritten wird, löst sich diese Bremse, der Bauplan für das braune Fett kann von der Zelle umgesetzt werden und die Fett verbrennenden Zellen können sich entwickeln, erklären die Forscher.

Die Wissenschaftler sehen in ihren Resultaten nun einen potenziellen Ansatzpunkt für Medikamente gegen Fettleibigkeit und Fettstoffwechselerkrankungen, denn vermutlich lassen sich die Ergebnisse von der Maus auf den Menschen übertragen: Es gibt bereits Hinweise darauf, dass stark übergewichtige Patienten erhöhte Mengen der menschlichen Variante der Mikro-RNA 155 im Körper besitzen, sagen die Forscher. Das deckt sich also mit den Erkenntnissen aus ihren Tierversuchen: Viel Mikro-RNA 155 geht mit geringerer Fettverbrennung einher. „Wir befinden uns jedoch noch im Stadium der Grundlagenforschung“, betont Co-Autor Alexander Pfeifer von der Universität Bonn. Der Weg zu entsprechenden Medikamenten sei also noch weit.
Yong Chen (Universität Bonn) et al.: Nature Communications, doi:10.1038/ncomms2742

© wissenschaft.de - Martin Vieweg


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