Universeller Optimismus

 Optmismus - eine Grundeigenschaft des Menschen? (Bild: Thinkstock)
Optmismus - eine Grundeigenschaft des Menschen? (Bild: Thinkstock)
Optimisten haben es leichter, heißt es. Sie gehen unbeschwerter und positiver durchs Leben. Diese Fähigkeit gilt daher als ein wichtiger Faktor für das mentale Wohlergehen. Unklar war aber bisher, ob der Optimismus eine Art Grundeigenschaft des Menschen ist, etwas, das sich weltweit und selbst unter widrigen Umständen findet. Um das zu klären, haben US-Forscher die bisher größte Studie zur weltweiten Verbreitung des Optimismus durchgeführt. Sie befragten dazu mehr als 150.000 Menschen in 142 Ländern und erfassten so einen Querschnitt von immerhin 95 Prozent der Weltbevölkerung. Ihr Ergebnis: Um Optimist zu sein, muss man nicht in einem wohlhabenden Land mit gesicherter Zukunft leben - weder Bruttoinlandsprodukt noch die Lebenserwartung haben einen Einfluss darauf, ob jemand positiv in die Zukunft blickt.
"Nach gängiger Theorie hat die Fähigkeit, optimistisch zu bleiben, eine ganze Reihe positiver Effekte", erklären Matthew Gallagher von der Boston University und seine Kollegen. Studien zeigen beispielsweise, dass optimistische Menschen meist gesünder sind und sich subjektiv wohler fühlen als weniger optimistische unter gleichen Umständen. Dies wurde jedoch bisher meist nur in Industrieländern untersucht. Daher ist unklar, ob das auch für Bewohner von Entwicklungsländern gilt und in welchem Maße schlechte wirtschaftlichen Chancen und eine geringe Lebenserwartung dies beeinflussen. "Ist Optimismus wirklich eine universelle menschliche Ressource oder reflektiert er nur westliche Ideale und die Vorteile, in einem reichen Land zu leben?", formulieren die Forscher die Ausgangsfrage ihrer Studie.

Für ihre Untersuchung nutzten sie Daten von 150.048 Menschen zwischen 15 und 99 Jahren, die am sogenannten Gallup World Poll teilgenommen hatten. Diese Erhebung befragt seit 2005 jährlich 1.000 Menschen aus jedem der 142 teilnehmenden Länder. Die Teilnehmer wurden unter anderem gebeten, auf einer zehnstufigen Skala anzugeben, wie zufrieden sie mit ihrem Leben zurzeit sind und wie sie ihre Zufriedenheit und ihr Wohlergehen fünf Jahre in der Zukunft einschätzen. Auch nach positiven und negativen Emotionen und danach, wie gesund sie sich fühlten, fragten die Forscher.

Positive Zukunftserwartung auch in den ärmsten Ländern

Das Ergebnis: Mit Ausnahme von Zimbabwe erwarten die Bewohner aller Länder, dass es ihnen in Zukunft besser gehen werde als heute. Während der Unterschied zwischenn heute und zukünftig in vielen Industrieländern eher gering ist, hoffen die Menschen vor allem in eher armen Ländern auf eine große Verbesserung. So rechnen in Deutschland nur 37,51 Prozent mit einer besseren Zukunft - nur knapp mehr als diejenigen, die entweder gleichbleibende oder leicht schlechtere Bedingungen erwarten. In Ghana dagegen sind mehr als 90 Prozent der Befragten der Ansicht, dass ihre Zukunft deutlich besser aussehen wird als ihre gegenwärtige Lage. Die höchsten Werte auf der zehnstufigen Skala gaben die Iren, die Brasilianer, die Dänen, die Neuseeländer und die US-Amerikaner ihren Zukunftsaussichten - sie starteten allerdings auch von sehr hohen Zufriedenheitswerten für die Gegenwart. "Diese Ergebnisse zeigen, dass die meisten Menschen ungeachtet ihrer Nationalität optimistisch in die Zukunft schauen", konstatieren Gallagher und seine Kollegen.

Als nächstes überprüften die Forscher, ob das Bruttoinlandsprodukt oder die durchschnittliche Lebenserwartung in einem Land beeinflussen, wie optimistisch die Bevölkerung ist. Doch wie sich zeigte, spielten beide Faktoren weder für den Optimismus, noch für das subjektive Wohlbefinden oder die Einschätzung der eigenen Gesundheit eine signifikante Rolle. "Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Optimismus nicht nur eine Folge von gesicherten Lebensumständen in einem reichen Land ist", meinen die Forscher. Stattdessen handele es sich um ein universelles Phänomen, das auch unter widrigen Umständen positive psychologische Effekte zeige.
Matthew Gallagher (Boston University) et al., Journal of Personality, doi: 10.1111/jopy.12026

© wissenschaft.de - Nadja Podbregar


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