Rätsel um Arsen im Bier gelöst

 Trotz Reinheitsgebot enthalten manche Biere leicht erhöhte Arsenwerte (Bild: Thinkstock)
Trotz Reinheitsgebot enthalten manche Biere leicht erhöhte Arsenwerte (Bild: Thinkstock)
Da hilft auch das Reinheitsgebot nichts: In Deutschland verkauftes Bier kann teilweise mehr Arsen enthalten, als es die Weltgesundheitsorganisation WHO für Trinkwasser empfiehlt. Woher diese Verunreinigung stammt, war lange Zeit unklar, denn das zum Brauen verwendete Wasser erwies sich als sauber. Jetzt haben Münchener Forscher die Antwort gefunden: Quelle der Kontamination ist der Filtersand, mit dem die trübenden Braurückstände aus dem Getränk entfernt werden, wie sie auf dem Jahrestreffen der American Chemical Society in New Orleans berichten.
Arsen ist zwar giftig, aber im Boden keine Seltenheit: Fast überall in der Erdkruste kommt dieses Element in Reinform oder als chemische Verbindung vor. Unter anderem deshalb ist in vielen Regionen der Welt auch das Grundwasser mit Arsen belastet. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat für Arsen im Trinkwasser einen Grenzwert von zehn Mikrogramm pro Liter festgelegt. Dieser Wert wird zwar in Deutschland seit gut 15 Jahren eingehalten, aber in einem anderen Getränk dafür häufig überschritten: in Bier. Immer wieder wurden in den letzten Jahren in den heimischen Biersorten Arsenwerte gemessen, die über zehn Mikrogramm pro Liter liegen. Diese Verunreinigung macht zwar nicht gleich krank, wie die Forscher erklären. Dennoch bereite sie den Brauereien Sorgen. Das Ganze ist zudem kein rein deutsches Problem: Schon vor vier Jahren hatte eine Studie in mindestens sechs weiteren Ländern mit Arsen verunreinigtes Bier nachgewiesen.

Mehmet Coelhan von der Technischen Universität München und seine Kollegen haben nun nach der Quelle dieser Kontamination gesucht. Dafür analysierten sie zunächst 140 Proben von Bieren, die in Deutschland verkauft werden, auf ihren Gehalt an Arsen, Blei, natürlichen Toxinen, Pestiziden und anderen Substanzen. Tatsächlich fanden die Forscher in einigen Proben erneut erhöhte Arsenwerte. Naheliegend wäre es nun anzunehmen, dass diese Verunreinigung aus dem wichtigsten Rohstoff für das Getränk stammt, dem Wasser. Doch diese Annahme erwies sich als falsch: Das Brauwasser war in allen Fällen unbelastet.

Nicht in den Rohstoffen, sondern im Filter

"Wenn im Bier mehr Arsen ist als in dem Wasser, mit dem es gebraut wurde, dann muss dieses Arsen aus anderen Quellen stammen", sagt Coelhan. "Aber woher war uns ein Rätsel." Um das zu klären, analysierten die Forscher nun auch die Rohstoffe des Bieres, darunter Malz und Hopfen, aber auch die Werkzeuge und Materialien, die im Brauprozess eingesetzt werden. Bei den Rohstoffen fanden sie nichts, wohl aber bei einem Filtermaterial: Kieselgur. Es wird eingesetzt, um Hefe, Hopfen und andere trübende Stoffe aus dem fertigen Bier zu entfernen. Die Flüssigkeiten werden dafür durch den feinkörnigen Sand geleitet, der die Schwebstoffe absorbiert. Gewonnen wird die Kieselgur aus den Schalen fossiler Kieselagen. Sie bestehen zum größten Teil aus amorphem Silziumdioxid und sind sehr porös.

"Die Tests enthüllten, dass einige Kieselgurproben Arsen freisetzten", berichtet Coelhan. Die Werte waren zwar nur leicht erhöht, aber deutlich nachweisbar. Dieses Wissen um die Quelle der Verunreinigung kann nun den Brauereien dabei helfen, sie zu beseitigen. So sind beispielsweise auch andere Filtermaterialien als Kieselgur verfügbar, wie der Forscher erklärt. Es könne aber auch schon ausreichen, den Filtersand vor dem Einsatz beim Brauen mit Wasser zu spülen, um das Arsen auszuwaschen.
Mehmet Coelhan ( Technische Universität München) et al., American Chemical Society National Meeting & Exposition

© wissenschaft.de - Nadja Podbregar


Text der identifiziert werden soll

Bitte geben Sie zusätzlich noch den Sicherheitscode ein!

Abonnement abschließen

und Vorteile genießen

weiter

Die Leser-Wahl ist abgeschlossen!

Bitte haben Sie noch etwas Geduld: Im Dezemberheft von bild der wissenschaft erfahren Sie, wer die Sieger sind.

bild der wissenschaft
ist offizieller Medienpartner von:


Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der Konradin Mediengruppe