Sexistischer Blick auf Studien

 Credit: Thinkstock
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Auch die Artikel auf wissenschaft.de erwähnen stets die Autoren der jeweils präsentierten Studie. Im aktuellen Fall leitete die Forschungsarbeiten Silvia Knobloch-Westerwick von der Ohio State University. Sylvia - dieser Vorname macht klar: Es handelt sich um eine Wissenschaftlerin. Um die Konsequenzen genau dieser Information drehten sich die Untersuchungen ihres Teams: Die Forscher konnten zeigen, dass Studenten wissenschaftliche Publikationen, die Männer in der Autorenliste führen, als qualitativ hochwertiger einstufen, als wenn die identischen Studien von Frauen zu stammen scheinen.
Die Ergebnisse von Knobloch-Westerwick und ihren Kollegen basieren auf Tests mit insgesamt 243 weiblichen und männlichen Studenten von unterschiedlichen Einrichtungen in den USA. Die Teilnehmer wurden gebeten, 15 Kurzzusammenfassungen von Studien (sogenannte Abstracts) zu lesen und ihnen auf einer Skala von eins bis zehn Qualitäts-Beurteilungen zu bestimmten Kriterien zuzuweisen, beispielsweise wie wichtig die Erkenntnisse sind oder wie innovativ. Wissenschaftliche Kurzzusammenfassungen erwähnen stets auch die Namen der Autoren. In den 15 Test-Abstracts setzten die Forscher immer entweder zwei Frauen oder zwei Männer als Autoren ein. Die Namen der Autoren wurden auch vertauscht, so dass die gleichen Zusammenfassungen für einige Teilnehmer männliche Autoren und für andere weiblichen Urheber zu besitzen schienen.

Makel „weibliche Autorenschaft“

Die Auswertungen zeigten: Die Probanden hatten den Studien, die aus Frauenhand zu stammen schienen, vergleichsweise weniger Qualitätspunkte zugesprochen. Diese Tendenz war nicht etwa auf die männlichen Probanden beschränkt – die weiblichen Teilnehmerinnen beurteilten die Arbeiten ihrer Geschlechtsgenossinnen ebenfalls im Durchschnitt weniger positiv. Besonders ausgeprägt zeigte sich der Makel „Weibliche Autorenschaft“ bei Studienfeldern, die als eher männlich besetzt gelten, wie beispielsweise Politikwissenschaften oder Technik, berichten Knobloch-Westerwick und ihre Kollegen.

Um den Zusammenhang noch genauer zu untersuchen, führten die Wissenschaftler zusätzliche Befragungen durch, die erhellen sollten, wie stark geschlechtsspezifische Rollenbilder in den Teilnehmern verankert sind. Sie sollten beispielsweise Aussagen kommentieren wie: „Es ist für eine Frau besser, die Karriere ihres Mannes zu unterstützen, als die eigene voranzutreiben“. Der Vergleich der Ergebnisse dieser Befragung mit den Ergebnissen der Beurteilungen der wissenschaftlichen Studien zeigte: Probanden, die ein konservatives Rollenbild der Geschlechter besaßen, hatten in den Tests die Forschungsarbeiten der weiblichen Wissenschaftler besonders schlecht eingestuft. Den Forschern zufolge zeigt dies, dass konservative Geschlechternormen die Urteilskraft des Menschen beeinflussen und zu ungerechten Entscheidungen führen können. „Offenbar gibt es selbst in der jungen Generation noch das Klischee, dass Wissenschaft eine Männerdomäne ist“, resümiert Knobloch-Westerwick.
Silvia Knobloch-Westerwick (Ohio State University) et al.: Science Communication, doi:10.1177/1075547012472684

© wissenschaft.de - Martin Vieweg


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