Unbegründete Impfangst

 Impfungen beim Kleinkind erhöhen nicht das Risiko für Autismus (Bild: Thinkstock)
Impfungen beim Kleinkind erhöhen nicht das Risiko für Autismus (Bild: Thinkstock)
Impfungen können Leben retten und gelten vor allem für Kinder als unverzichtbar. Einer aktuellen Umfrage zufolge weigern sich jedoch zehn Prozent aller Eltern, ihr Kind impfen zu lassen, weil sie Angst haben, es könne neurologische Spätfolgen erleiden und beispielsweise an Autismus erkranken. Eine Studie von US-Forschern zeigt nun erneut: Selbst Kombinationsimpfungen oder viele Einzelimpfungen in kurzer Zeit erhöhen nicht das Risiko von Kindern, an einer autistischen Entwicklungsstörung zu erkranken. Dies sei selbst bei älteren Vakzinen nicht der Fall, die noch sehr viel mehr immunwirksame Bestandteile enthielten als moderne Impfstoffe, wie die Wissenschaftler betonen.
1998 sorgte eine im renommierten Fachjournal "The Lancet" erschienene Studie für weltweites Aufsehen - und für große Sorge bei Eltern kleiner Kinder. Denn in ihr beschrieben der Brite Andrew Wakefield und seine Kollegen ein gehäuftes Auftreten von Autismus-ähnlichen Symptomen bei zwölf Kindern, die zuvor mit dem Kombinations-Impfstoff gegen Masern, Mumps und Röteln geimpft worden waren. Seither ist diese Studie längst als fehlerhaft entlarvt und zurückgezogen worden. Zahlreiche andere Wissenschaftler, die die Thesen von Wakefield überprüften, haben zudem den Zusammenhang von Autismus und Impfungen widerlegt. Sie wiesen unter anderem nach, dass die ersten physiologischen Symptome in vielen Fällen schon vor den ersten Impfungen einsetzen. Das alles hat aber offenbar nur bedingt dazu beigetragen, die Vorurteile und Ängste von Eltern bezüglich frühkindlicher Impfungen und möglichen neurologischen Folgen zu beheben.

Angst vor Folgen gehäufter Impfungen

"Aktuell besteht vor allem die Sorge, dass die große Zahl der Impfungen, die den Kindern verabreicht werden, Lernschwächen und Autismus fördern könnten", berichten Frank DeStefano von den Centers for Disease Control and Prevention (CDC) in Atlanta und seine Kollegen. In einer aktuellen Umfrage hätten 30 bis 36 Prozent aller befragten Eltern diese Sorgen geäußert. Einer anderen Studie zufolge weigern sich zehn Prozent der Eltern, ihre Kinder impfen zu lassen oder zögern die Impfungen hinaus, weil sie glauben, dass diese dann schonender für ihr Kind wären. DeStefano und seine Kollegen haben daher nun noch einmal systematisch untersucht, ob es möglicherweise doch einen Zusammenhang zwischen der Menge der immunwirksamen Bestandteile, der sogenannten Antigene, und dem Autismusrisiko gibt.

Für ihre Studie werten die Forscher Daten von insgesamt 256 Kindern mit einer autistischen Störung und 752 gesunden Kontrollkindern aus. Alle Kinder waren zwischen sechs und 13 Jahren alt. Anhand der Impfscheine und Patientendaten ermittelten sie, welche Impfungen die Kinder bis zum zweiten Lebensjahr erhalten hatten. Zudem hielten sie fest, wie viele Antigene die verabreichten Vakzinen jeweils enthielten.

Kein Effekt selbst bei geballter Immunisierung feststellbar

"Wir haben dabei keinerlei Belege für eine Verbindung zwischen den Impfungen, den immunstimulierenden Bestandteilen der Vakzine und dem Risiko für eine autistische Störung gefunden", konstatieren DeStefano und seine Kollegen. Selbst dann, wenn die Kinder mehrere Impfungen an einem Tag erhalten hatten und damit hohe Dosen von Antigenen, waren sie nicht häufiger an Autismus erkrankt als diejenigen, die weniger oder gar nicht geimpft worden waren. Die Sorge der Eltern, dass Kinder heute zu viele Impfungen im Säuglingsalter erhalten, ist daher nach Ansicht der Forscher zumindest in Bezug auf das Autismusrisiko unbegründet.

"Das Immunsystem der Kinder kann problemlos auf eine große Zahl von immunstimulierenden Reizen auf einmal reagieren", erklären die Forscher. Das sei auch sinnvoll, denn von Geburt an seien die Kinder einer Vielzahl von Krankheitserregern ausgesetzt. Ihre Abwehr sei so stabil, dass sie theoretisch tausende von Impfstoffen auf einmal verkraften könne. Nach Ansicht der Wissenschaftler müssen sich Eltern auch keine Sorgen machen, weil heute mehr Impfungen empfohlen werden als früher. Denn weil die Vakzine heute schonender und gezielter wirken, enthalten sie weniger Antigene als noch vor zehn oder 15 Jahren. In den späten 1990er Jahren habe ein Kind bis zum Alter von zwei Jahren noch mehrere tausend immunstimulierende Substanzen durch Impfungen erhalten, in dieser Zeit wurden auch die meisten Kinder der Studie geimpft. Heute dagegen bekommt ein Kind bis zum zweiten Lebensjahr mit seinen Impfungen im Durchschnitt nur rund 315 Antigene.
Frank DeStefano (Centers for Disease Control and Prevention (CDC), Atlanta) et al., The Journal of Pediatrics, doi: 10.1016/j.jpeds.2013.02.001

© wissenschaft.de - Nadja Podbregar


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