Hier riecht`s gefährlich!

 Bild: Forscher zwickt eine Biene an einer Blüte mit der Pinzette. Credit: Ana L. Llandres
Bild: Forscher zwickt eine Biene an einer Blüte mit der Pinzette. Credit: Ana L. Llandres
Von Blüte zu Blüte im warmen Sonnenschein – doch so idyllisch das Nektarsammeln von Bienen auch scheinen mag, die fleißigen Insekten leben gefährlich: Gerade in einer schönen Blüte kann beispielsweise eine Spinne oder Gottesanbeterin auf Beute lauern. Doch soziale Bienen können diesen Räubern den Jagderfolg offenbar vermiesen, wie Biologen nun berichten: Wird eine Honigbiene oder Hummel an einer Blüte attackiert, hinterlässt sie dort Signalstoffe, die ihre Artgenossen vor der Gefahr warnen. Bienenarten, die nicht in Staaten leben, besitzen dagegen keine derartigen Warnsysteme, zeigten die Experimente der Forscher um Ana Llandres von der Universität von Tours.
Die Forscher führten ihre Versuche mit insgesamt sieben Bienenarten durch. Vier waren staatenbildend: die europäische Honigbiene, die Zwerghonigbiene, die asiatische Riesenhonigbiene und die Hummel. Bei den restlichen drei Arten handelte es sich um Vertreter dieser Insektengruppe, die kein Staatensystem entwickelt haben. Sie bilden die Mehrzahl unter allen insgesamt etwa 20.000 Bienenarten. Diese sogenannten Solitärbienen leben einzelgängerisch und sorgen sich nur um ihre eigene Nachkommenschaft. Staatenbildende Bienenarten sind also die Ausnahme: Von ihnen sind nur etwa 500 Arten bekannt.

Um herauszufinden, ob und welche der sieben Bienenarten im Test Signalstoffe auf Blüten mit Gefahrenpotenzial hinterlassen, führten die Forscher mit jeder Art folgendes Experiment durch: Wenn sich eine Biene auf einer Blüte niedersetzte, packten sie die Forscher mit einer Pinzette und hielten sie auf der Blüte kurz fest. Danach ließen sie das gestresste Tier wieder frei. Nun dokumentierten sie, wie viele Bienen der gleichen Art diese Blüte mit der gewalttätigen Geschichte im Gegensatz zu den umliegenden Kontrollblüten besuchten.

Einzelgängerische Bienenarten besitzen kein Warnsystem

Ergebnis: Die sozialen Bienen konnten offenbar wahrnehmen, auf welcher Blüte eine Kollegin gepiesackt worden war, denn sie machten meist einen Bogen um diese Nektarquelle und flogen lieber zu einer anderen. Die Warn-Pheromone ihrer malträtierten Artgenossin ließen sie zurückschrecken, erklären die Wissenschaftler. Bei den einzelgängerisch lebenden Bienenarten war das allerdings nicht der Fall: Sie konnten die Blüten mit der „kriminellen“ Vergangenheit nicht von anderen unterscheiden.

Die Forscher schließen aus diesen Ergebnissen, dass soziale Bienenarten bei Bedrohung Duftstoffe absondern, sogenannte Pheromone, die dann am Tatort zurückbleiben und ihm gleichsam ein riechendes Warnschild verpassen. Die Tatsache, dass solitäre Bienenarten diese Fähigkeit nicht besitzen, legt nahe, dass dieses Warnsystem parallel zur Entwicklung der Staatensysteme der sozialen Bienenarten entstanden ist. Bei ihnen liegt es im Interesse jedes einzelnen Exemplars, die Mitglieder des Volkes vor Gefahren zu schützen, sagen die Wissenschaftler.
Ana Llandres (Universität von Tours) et al.: Animal Behaviour, doi: 10.1016/j.anbehav.2012.10.012

© wissenschaft.de - Martin Vieweg


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