Video der Woche: Ein schwarz-weißer Dieb



Sie will unbedingt das Feuerzeug haben! Unser Video der Woche ist ein britisches Privatvideo auf der Internetplatform Youtube. Es zeigt, wie eine Elster ein Feuerzeug vom Gartentisch stibitzt. Angeblich sollen die berüchtigten Vögel ja alles mögliche in ihr Nest verschleppen. Überhaupt genießen die Elstern einen schlechten Ruf: Statt bezaubernd zu singen nerven sie viele Menschen mit ihrem krächzenden „Gekeckere“ und sie sollen außerdem üble Nesträuber sein, die den putzigen Singvögeln die Küken stehlen. Doch hat die Elster ihren schlechten Ruf tatsächlich verdient?
Die Antwort weiß Vogelexperte Julian Heiermann vom Naturschutzbund Deutschland (NABU): „Nur was ihre Sangeskünste betrifft und dass sie manchmal Gegenstände wegschleppt“, sagt er, „alle anderen Vorwürfe sind unbegründet“. Elstern sind Allesfresser, die tatsächlich auch die Gelege von Singvögeln plündern oder die hilflosen Küken fressen. Das dürfe der Mensch aber nicht verurteilen: „Viele Singvogelfreunde mögen das als grausam empfinden, aber auch in diesem Fall gilt: Das sind die Gesetze der Natur“, so Heiermann. Auch die beliebten Singvögel sind ja nicht nur harmlose Körnerpicker: Auch Meise und Co verschonen selbst den schönsten Schmetterling nicht. Die Elster bedroht durch ihr Verhalten die Bestände nicht. Singvögel legen neue Gelege an und sind dadurch in der Lage, die Verluste auszugleichen.

Die angebliche Raffgier der Elstern ist ebenfalls ein Märchen, wie Untersuchungen gezeigt haben: Forscher haben schon in hunderte von Elsternestern geblickt und dort keine geräuberten Schätze entdeckt. Was ihr allerdings den räuberischen Ruf eingebracht hat, hängt mit einer faszinierenden Tatsache zusammen: Die Elster ist eines der intelligentesten Wildtiere Deutschlands und diese Eigenschaft geht mit enormer Neugier einher. Elstern untersuchen deshalb gerne Gegenstände, die sie nicht kennen und schleppen sie dann auch manchmal weg. Im aktuellen Fall waren es eben ein Feuerzeug, das das Interesse der Elster weckte.

Raffiniert und hochintelligent

Viele Menschen haben den Eindruck, die Elstern seien in den letzten Jahren immer häufiger geworden. Der Gesamtbestand hat sich allerdings kaum verändert, nur der Lebensraum hat sich verschoben, sagt Heiermann: „Elstern lernen mehr und mehr die Nähe des Menschen zu schätzen. Hier finden sie Nahrung – Mülltonnen und Komposthaufen bieten den schlauen Vögeln ein reiches Angebot, das sie mit teils pfiffigen Methoden nutzen“. Verhaltensforscher konnten bereits zeigen, dass Elstern sogar Werkzeuge einsetzen und raffinierte Pläne schmieden, um an ihr Futter zu kommen.

Die Rabenvögel können sich sogar selbst im Spiegel erkennen, haben Untersuchungen von Forschern der Ruhr-Universität Bochum gezeigt. Dieser Spiegeltest gilt unter Forschern als ein Beweis für ein Ich-Bewusstsein, also eine Selbsterkenntnis ähnlich der des Menschen. Die Wissenschaftler hatten Elstern mit farbigen Punkten am Hals markiert, so dass sie den Tupfer nicht an sich selbst erkennen konnten und sie dann vor einen Spiegel platziert. Nachdem sich die Vögel an das Spiegelbild gewöhnt hatten, versuchten einige, den Fleck an ihrem eigenen Hals mit den Krallen zu entfernen. Sie mussten also begriffen haben: Das im Spiegel bin ich und an meinem Hals ist ein Fleck. Menschenaffen, Elefanten und Delfine bestehen den Spiegeltest ebenfalls. Der Mensch meistert ihn übrigens erst ab einem Alter von etwa eineinhalb Jahren.



Video: Elster versucht einen Fleck am Hals zu entfernen, den sie nur im Spiegel an sich selbst erkennen kann. Credit: PLoS biology
© dapd/wissenschaft.de - Martin Vieweg


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