Video der Woche: Monströse Essmanieren



Mit bis zu 60 Kilogramm und einer Länge von 1,8 Metern hält der Chinesische Riesensalamander ( Andrias davidianus) den Größenrekord unter allen Amphibien. Nun haben Forscher um Egon Heiss von der Universität Antwerpen eine weitere monströse Eigenschaft der gigantischen Lurche aufgedeckt: Ihr Maul erzeugt einen spektakulären Sog, mit dem sie Beutetiere blitzartig in ihren Schlund reißen.
Das Video zeigt in Zeitlupe, wie ein Riesensalamander einen Fisch in 0,05 Sekunden einsaugt. Dabei reißt er zusätzlich zur Beute über einen Liter Wasser in sein Maul. Die Beschleunigung, die bei diesem Vorgang entsteht, sei vergleichbar mit der eines Autos mit Raketenantrieb, sagen die Forscher. Die enorme Wucht basiert auf der Kraft von sehr starken Muskeln in den Backen des Lurchs. Egon Heiss und seinen Kollegen zufolge ähneln die Riesensalamander den ersten Vierbeinern, die die Evolution hervorgebracht hat. Möglicherweise haben auch diese Kreaturen damals mit kräftigem Unterdruck beim Beutefang gearbeitet, so die Forscher.

Eine wahrhaft ungewöhnliche Kreatur

Der Chinesische Riesensalamander bewohnt kühle, sehr saubere Fließgewässer in einigen Provinzen Chinas. Er verbirgt sich dort unter Felsen, Gehölz oder in Unterspülungen und wartet auf Beute. Der Körper des Riesensalamanders wirkt plump: Kopf und Rumpf sind breit und erscheinen wie plattgedrückt. An den Kopfseiten befinden sich sehr kleine, lidlose Augen. Etwa 165 Millionen Jahre alte Fossilien, die als seine Vorfahren gelten, wurden in der Inneren Mongolei entdeckt.

Bei der Eiablage produzieren die Weibchen zwei Eistränge mit jeweils rund 500 Eiern. Das Gelege wird von den Männchen bewacht, bis nach zwei bis zweieinhalb Monaten etwa drei Zentimeter lange Larven schlüpfen. Die Jugendphase der Tiere ist vergleichsweise lang: Die Geschlechtsreife tritt frühestens im fünften Lebensjahr ein. In Zoos erreichen Chinesische Riesensalamander dann ein Lebensalter von über 60 Jahren. In der Natur ist der Riesenlurch eine stark bedrohte Art. Neben der Zerstörung seines Lebensraums wird er auch direkt vom Menschen bedroht: Seine Körperteile und Organe spielen eine wichtige Rolle in der traditionellen chinesischen Medizin.
Egon Heiss (Universität Antwerpen) et al.: Journal of the Royal Society Interface, doi:10.1098/​rsif.2012.1028

New Scientist

© wissenschaft.de - Martin Vieweg


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