Ein alter Hund

 Bild: Nikolai D. Ovodov, PLoS one
Bild: Nikolai D. Ovodov, PLoS one
In einer Höhle in Südsibirien starb vor 33.000 Jahren ein Tier, das sowohl Hund als auch Wolf ähnelte. Sein Schädel blieb bis heute erhalten und war bereits Gegenstand einer ausführlichen Untersuchung. Ergebnis: leider nicht ganz eindeutig, vermutlich aber eher früher Hund als wilder Wolf. Jetzt ergänzt eine DNA-Analyse die morphologische Bewertung - und kommt zu einem ähnlichen Ergebnis. Das einzige Problem: Derartig alte Hunde sollten gängiger Theorie nach eigentlich nur in Ostasien oder dem Mittleren Osten zu finden sein – denn dort soll die Domestikation begonnen haben.
Auf jeden Fall vor mehr als 10.000 Jahren – viel mehr können Forscher noch nicht darüber sagen, wann und wo die einzigartige gemeinsame Geschichte von Hund und Mensch begann. Einige Untersuchungen deuten darauf hin, dass der Urvater oder besser die Urmutter aller Hunde aus China stammte und vor mindestens 16.000 Jahren lebte. Andere Studien verorten den Ursprung des Haushundes im Mittleren Osten, und wieder andere gehen sogar davon aus, dass Wölfe mehrmals an unterschiedlichen Stellen domestiziert wurden.

Definitiv Hund erst seit 14.000 Jahren

Auch die Fossilienfunde machen das Bild nicht unbedingt klarer. Die ältesten Knochen, die eindeutig Hunden gehörten und nicht Wölfen oder Übergangsformen, sind etwa 14.000 Jahre alt. Daneben gibt es jedoch auch einige wenige Fossilien, die aus der Zeit vor dem Maximum der letzten Eiszeit vor 26.000 Jahren stammen. Ihre Zuordnung zu Hund oder Wolf ist allerdings schwierig, nicht zuletzt, weil häufig nur wenige Teile eines Schädels vorhanden sind und das Aussehen des Tieres daher nicht nachvollziehbar ist.

Eine Ausnahme ist jedoch ein Schädel samt Zähnen und Unterkieferknochen, der bereits 1975 in einer Höhle im sibirischen Altai-Gebirge entdeckt wurde: Er ist vollständig und gut genug erhalten, um eine morphologische Bewertung zu erlauben. Diese erfolgte auch, allerdings erst vor knapp zwei Jahren. Ihr Ergebnis: Das Tier war wohl tatsächlich kein Wolf, sondern ein früher Hund, der aber vermutlich nicht zu der Linie gehörte, von der die heutigen Hunde abstammen. Vielmehr scheint er Teil eines Versuchs der Domestikation von Wölfen gewesen zu sein, der durch klimatische und vielleicht auch kulturelle Veränderungen während der Eiszeit jäh unterbrochen wurde, schlussfolgerten die Wissenschaftler damals.

DNA aus Zähnen und Knochen

Jetzt ergänzen sie ihre Bewertung von damals mit einer Analyse des alten Erbguts. Davon ließ sich nämlich noch etwas aus einem der unteren rechten Schneidezähne und dem Unterkieferknochen des mutmaßlichen Hundes gewinnen. Vor allem von der sogenannten mitochondrialen DNA, die aus den winzigen Zellkraftwerken stammt und immer über die mütterliche Linie weitergegeben wird, konnten die Wissenschaftler ein mehr als 400 Bausteine langes Stück rekonstruieren. Das verglichen sie dann mit Proben von drei Wölfen, die in der gleichen Höhle gefunden wurden, sowie mit Erbgut von 72 modernen Hunden, 30 Wolfvarianten, vier Kojoten und 35 weiteren Hundeartigen aus verschiedenen Epochen und unterschiedlichen Gegenden.

Auch hier lässt die Auswertung leider an Klarheit zu wünschen übrig. Was man allerdings definitiv sagen könne, sei, dass der Altai-Hund enger mit den modernen Hunden und frühen Hunden aus der neuen Welt verwandt sei als mit dem Wolf, so die Forscher. Damit nimmt das Fossil Platz zwei unter den ältesten definitiv zu den Hunden gehörenden Funden ein – Platz eins geht an ein Fossil aus Belgien, das etwa 3.000 Jahre älter ist.

Die Forscher betonen noch einmal, wie wichtig es sei, bessere Analysemethode für derartig alte DNA zu entwickeln und dass unbedingt mehr Fossilien untersucht werden müssten, um die Verwandtschaftsbeziehungen genauer klären zu können. Ein Fazit lasse sich aber bereits jetzt ziehen: Wenn es so früh bereits Hunde im heutigen Sibirien und zu einer ähnlichen Zeit in Belgien gegeben habe, sei die Theorie, alle Hunde hätten sich an einer einzigen Stelle entwickelt und von dort die Welt erobert, nicht zu halten.
Anna Druzhkova (Siberian Branch of the Russian Academy of Sciences, Novosibirsk) et al.: PLoS one, doi: 10.1371/journal.pone.0057754

© wissenschaft.de – Ilka Lehnen-Beyel


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