Natürlich kreativ

Müde und ideenlos... ?Geh doch mal raus in die Natur - das macht den Kopf wieder frei?, hört man dann gerne. Dieser Ratschlag hat nun ein wissenschaftliches Fundament erhalten: US-Forscher konnten zeigen, dass Menschen nach einer viertägigen Rucksacktour um 50 Prozent besser in Kreativitäts-Tests abschnitten als Vergleichspersonen ohne den erfrischenden Effekt eines Naturaufenthalts.
In den vergangenen 30 Jahren ist die Zeit, die Menschen im Freien verbringen, rapide zurückgegangen, betonen die Wissenschaftler um Ruth Atchley von der University of Kansas. Bereits Kinder verbringen heute den größten Teil ihrer Freizeit in Innenräumen ? Fernsehen, Computer und Handys machen spielerischen Abenteuern an der frischen Luft zunehmend Konkurrenz. Aktuellen Theorien zufolge führen die Reizüberflutungen unserer multimedialen Welt allerdings zu einer Überforderung, die sogar einen Rückgang geistiger Leistungen bewirken kann. Frühere Studien haben bereits nahegelegt, dass Natureindrücke in diesem Zusammenhang erholsam wirken. Ruth Atchley und ihre Kollegen konnten nun zeigen, dass sich dieser Effekt in einer messbaren Leistungssteigerung bei Aufgaben widerspiegelt, die Kreativität erfordern.

Einfallsreich durch ?Natur pur?

Die Studie umfasste 56 Personen ? 30 Männer und 26 Frauen ? mit einem Durchschnittsalter von 28 Jahren. Sie nahmen in unterschiedlichen Gruppen an viertägigen Wanderungen durch die Wildnis der US-Bundesstaaten Alaska, Colorado, Maine und Washington teil. Handys und andere elektronische Geräte mussten zu Hause bleiben ? es war also ?Natur pur? angesagt.

Die eine Hälfte der Probanden absolvierte einen speziellen Test zur Erfassung von kreativen Fähigkeiten vor Beginn der Wandertouren, die andere löste die Aufgaben erst nach den vier Tagen Naturerlebnis. Der Test bestand aus zehn Fragen, deren Lösung Einfallsreichtum erforderte. Die Auswertungen ergaben: Die Teilnehmer, die frisch von Wald und Wiese kamen, beantworteten im Durchschnitt 6,08 Fragen richtig, die Probanden, die erst nach dem Test in die Natur aufbrachen, schafften dagegen im Schnitt nur 4,14 Fragen.

Die Forscher können nicht mit Sicherheit sagen, ob eher der Effekt der fehlenden Reizüberflutung oder der Entspannungseffekt der Natur für den Schub der geistigen Leistung verantwortlich ist. Doch was zählt, ist das positive Gesamtresultat: "In unserer modernen Gesellschaft klingelt, blinkt, hupt und dudelt es, so dass unsere Aufmerksamkeit ständig gefordert wird. Im Gegensatz dazu besitzt die Natur sanfte Reize, bei denen sich unsere geistigen Kapazitäten erholen können?, beschreiben die Forscher das Prinzip.
Ruth Atchley (University of Kansas) et al.: PLOS ONE, 12. Dezember 2012

© wissenschaft.de - Martin Vieweg


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Richard Dawkins ist ein leidenschaftlicher Verfechter der Wissenschaft, der sich selbst als "militanten Atheisten" bezeichnet. In seiner Autobiografie lässt er sein Leben Revue passieren - geistreich und kurzweilig, aber bisweilen auch ausschweifend und redundant.

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