Klebrige Falle für Grippeviren

Ein Mundspray namens Halo, das vor Erkältungs- und Grippeviren schützen soll, haben Forscher gestern auf der 52. Conference on Antimicrobial Agents and Chemotherapy der American Society for Microbiology vorgestellt. Da viele Erreger mit der Luft eingeatmet würden, sei es höchste Zeit für solch ein Mittel gewesen, betonten sie. Das Rezept: drei Mal das antiseptische Spray in Mund und Rachenraum sprühen. Dann werden laut den Forschern 99,9 Prozent der Krankheitserreger, die man in den nächsten sechs Stunden einatmet, abgetötet.
Das Mundspray besteht aus drei Inhaltsstoffen: Glycerin, Xanthan und Cetylpyridiniumchlorid (CPC). Der Zuckeralkohol Glycerin und Xanthan, ein natürliches Verdickungsmittel, bilden eine Art Barriere für die Erreger. Der dritte Inhaltsstoff, CPC, wirkt antiseptisch und wird oft als Arzneistoff bei Infektionen und Entzündungen in Mund- und Rachenraum eingesetzt. ?Der Glycerin-Xanthan-Klebstoff verhindert das weitere Eindringen der Krankheitserreger in den Körper über den Mund hinaus, und das CPC tötet die Viren, sobald sie in der klebrigen Mischung gefangen sind?, erläuterte Frank Esper, Infektiologe von der Case Western Reserve Universitiy School of Medicine. Das Spray testeten die Wissenschaftler zunächst an einfachen Zellkulturen mit den sogenannten Schweinegrippeviren, dem Influenza-A-Virus H1N1, das die Pandemie 2009 auslöste.

In einer zweiten Studie, von der Mahmoud Ghannoum vom University Hospital Case Medical Center berichtete, hatte sich das Spray auch gegen alle elf Stämme des Keuchhusten-Erregers Bordetella pertussis bewährt - durch das Besprühen waren die Bakterien komplett abgetötet wurden. Wenn sich ein Patient drei Mal in den Mund sprühe, zerstöre das Gemisch demnach sämtliche Erreger, die mit der Luft in den nächsten sechs Stunden eingeatmet werden. Dabei spielt es keine Rolle, ob man in der Zwischenzeit isst oder trinkt, betonten die Forscher.

Laut Esper haben Sprays wie Halo das Potenzial, die Ausbreitung von Krankheiten wie Erkältung oder Grippe einzudämmen. So könnten Epidemien sowie Pandemien verhindert werden. Außerdem sollen besonders gefährdete Personen wie immungeschwächte Patienten mit chronischer Lungenerkrankung und Militärpersonal von dem Mundspray profitieren. Ob es Nebenwirkungen oder Gegenanzeigen für die Anwendung gibt, dazu äußerten sich die Forscher nicht. In den USA ist Halo bereits rezeptfrei verfügbar.
Vorträge auf der 52. Conference on Antimicrobial Agents and Chemotherapy (ICAACs) der American Society for Microbiology vom 9. bis 12. September 2012 in San Francisco

© wissenschaft.de - Gesa Seidel


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