Doch keine Energiesparwunder

 Zwei Jäger der Hadza in der Savanne Tansanias. Credit: Andreas Lederer
Zwei Jäger der Hadza in der Savanne Tansanias. Credit: Andreas Lederer
Sie jagen und suchen aktiv nach Nahrung ? im Vergleich zu unserer bequemen Lebensweise erscheint der Alltag in einer Jäger- und Sammlerkultur recht anstrengend. Doch einer aktuellen Studie zufolge spiegelt sich dies offenbar nicht im täglichen Kalorienverbrauch wider: Der Energieumsatz von Menschen mit modernem Lebensstil und der von Angehörigen eines afrikanischen Naturvolkes unterscheidet sich den Untersuchungen zufolge nicht. Dieses Ergebnis widerspricht der Theorie, dass ein maßgeblicher Faktor für die Übergewichtsprobleme moderner Kulturen der niedrige Energieaufwand sei, der uns angeblich von unseren Jäger-Sammler-Vorfahren unterscheidet.
Als Studienmodell wählten die Forscher um Herman Pontzer vom Hunter College in New York das Volk der Hadza, das im Norden Tansanias noch heute so lebt, wie es unsere Vorfahren über Jahrtausende hinweg getan haben: Sie streifen durch die Wildnis, auf der Suche nach Jagdbeute und allen möglichen Nahrungsquellen. 30 Männer und Frauen der Hadza waren bereit, an der Studie teilzunehmen. Die Forscher erfassten dazu ihre körperlichen Daten und untersuchten den Energieverbrauch der Probanden mittels der sogenannten Methode des doppelt stabil markierten Wassers.

Cleverer Test offenbart Energieumsatz

Die Probanden tranken dazu Wasser, das statt der üblichen Wasserstoff- und Sauerstoffisotope 1H und 16O die schwereren ? gesundheitlich aber unbedenklichen ? Isotope 2H und 18O enthält. Dieses markierte Wasser wird nach kurzer Zeit teilweise wieder über den Urin ausgeschieden und kann dabei Aufschluss über den Energieverbrauch des Körpers liefern. Die markierten Sauerstoffmoleküle werden nämlich bei der biologischen Energiegewinnung auch in Kohlendioxidmoleküle eingebaut und ausgeatmet. So lässt sich aus den unterschiedlichen Harnausscheidungs-Raten von 2H und 18O der Energieumsatz berechnen. Die so gewonnen Daten konnten die Forscher anschließend mit Erhebungen aus westlichen Kulturen vergleichen, die auf die gleiche Weise entstanden waren.

Ergebnis: Die Hadza verbrauchen am Tag durchschnittlich genauso viele Kalorien wie Menschen in den USA oder Europa. Die Forscher vermuten deshalb, dass sich der grundsätzliche Energieumsatz selbst bei unterschiedlichen Lebensweisen mit der Zeit auf ein einheitliches Niveau einpegelt. Sie betonen, dass körperliche Aktivität natürlich sehr wohl den Energieumsatz eines einzelnen Menschen erhöht und ihn schlank und fit hält. Mit der Zeit passt sich der Stoffwechsel von Menschengruppen aber offenbar an die jeweiligen Anforderungen ihrer Lebensweise an und erreicht ein typisches Durchschnittsniveau. "Unsere Ergebnisse unterstreichen die Komplexität des menschlichen Energieverbrauchs ? er ist nicht einfach eine Funktion der körperlichen Aktivität", sagt Herman Pontzer. Die Übergewichtsprobleme der westlichen Welt sehen die Forscher deshalb nicht als eine Folge des geringen Energieverbrauchs, sondern der übermäßigen Energiezufuhr durch ungünstige Ernährungsweisen.
Herman Pontzer (Hunter College in New York) et al.: PLoS ONE, Doi:10.1371/journal.pone.0040503

© wissenschaft.de ? Martin Vieweg


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