Komplette Zerstörung und neues Leben

 Der Strand Punta Lavapie wurde durch das Erdbeben im Februar 2010 angehoben - und weist heute eine artenreiche Flora und Fauna auf. Bild: Eduardo Jaramillo
Der Strand Punta Lavapie wurde durch das Erdbeben im Februar 2010 angehoben - und weist heute eine artenreiche Flora und Fauna auf. Bild: Eduardo Jaramillo
Das Team um Eduardo Jaramillo von der Universität im chilenischen Valdivia untersuchte eigentlich die Folgen von Küstenbefestigungen für Pflanzen und Tiere im südlichen Teil Mittel-Chiles. An neun Stränden der Region Maule kartierten die Forscher Flora und Fauna.
Größere Kartenansicht Am 27. Februar 2010 dann das: Ein Erdbeben der Stärke 8,8 erschütterte nicht nur das Land, sondern löste auch einen Tsunami aus, der mehr als 500 Menschenleben forderte und weite Teile der Küstenlinie zerstörte. Doch für Jaramillos Team bedeutete dies die Chance, in regelmäßigen Abständen zu dokumentieren, wie Pflanzen und Tiere auf die Veränderungen reagierten. ?Mit Erdbeben und Tsunamis verbinden wir das Bild völliger Zerstörung. Auch für die Ökosysteme der betroffenen Küsten ist das zunächst eine Katastrophe?, berichtet Jennifer Dugan von der University of California in Santa Barbara. Küstenstreifen, die seit dem Beben unter der Wasseroberfläche liegen, haben ihre Flora und Fauna vollständig verloren und erholen sich nur sehr langsam. Doch einige Strände profitierten sogar: Wo das Beben die Küste angehoben hatte, der Sandstreifen also breiter geworden ist, entwickelte sich innerhalb weniger Wochen das frühere Ökosystem zurück, das durch Uferbefestigungen verschwunden war. ?Mit der Zeit wird der Sand vor dem Damm weggespült, nach und nach tragen die Wellen ehemals trockene und halbtrockene Bereiche des Strandes ab. Die Folge ist eine geringere Biodiversität, inklusive der Vogelarten. Das Gebiet verliert seine ökologische Funktion?, erklärt Eduardo Jaramillo. Effektiver Küstenschutz Die zerstörerische Kraft eines Tsunamis hat vereinzelt also einen positiven Nebeneffekt: ?Dünenpflanzen erobern Bereiche zurück, in denen sie lange Zeit nicht mehr zu finden waren, und schaffen so einen Lebensraum, der eigentlich schon verloren war?, resümiert Jennifer Dugan. Jaramillo sieht in den Ergebnissen einen wichtigen Hinweis darauf, dass durch den Menschen beeinträchtigte Küsten innerhalb kurzer Zeiträume ihre ursprüngliche Funktion zurückerhalten können. ?Sandstrände machen 80 Prozent der Küsten aus und sind wichtige Barrieren, um dem globalen Anstieg des Meeresspiegels entgegenzuwirken?, erklärt er die große Bedeutung dieser Küstenform. Eduardo Jaramillo und Jenifer Dugan im April 2012 am Strand von Lebu. Sie beobachten weiter, wie sich die Küste Chiles entwickelt. Bild: Carlos Sotomayor
Eduardo Jaramillo (Universität in Valdivia, Chile) et al.: PLoS ONE, doi: 10.1371/journal.pone.0035348 © wissenschaft.de ? Marion Martin
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