Überraschend resistent

 Lechuguilla Cave. Credit: (c) Max Wisshak ? speleo-foto.de
Lechuguilla Cave. Credit: (c) Max Wisshak ? speleo-foto.de
Mit Medikamenten des Menschen sind sie niemals in Kontakt gekommen und dennoch tragen sie eine natürliche Widerstandskraft gegen Antibiotika: Einige Bakterienstämme aus der Lechuguilla-Höhle in New Mexico sind gegen 14 verschiedene Wirkstoffe des Menschen resistent, zeigen Analysen von Michael DeGroote von der McMaster University und seinen Kollegen. Dieser Befund könne zu einem besseren Verständnis der Entstehung von Antibiotika-Resistenzen führen, so die Forscher.
Es war und ist einer der größten Erfolge der modernen Medizin: Seit etwa hundert Jahren retten Antibiotika Millionen Menschen das Leben. Doch leider sind die Bakterienkiller vergängliche Wundermittel: Der Mensch muss ständig neue Antibiotika entwickeln, denn die Krankheitserreger wappnen sich nach und nach mit Resistenz-Genen gegen die Wirkstoffe und machen sie nutzlos. Der aktuelle Befund belegt nun, dass die gefürchteten Antibiotika-Resistenzen nicht durch den Einsatz der Medikamente neu entstehen, sondern bereits in der Natur vorhanden sind und sich dann ausbreiten.

Die Lechuguilla Cave ist eine der größten unterirdischen Systeme der Erde und besitzt Teile, die noch kein Mensch zuvor betreten hat. In genau solch einem isolierten Bereich hatten die Forscher ihre Bakterienproben entnommen. Sie vermehrten die Mikroorganismen anschließend im Labor und testeten dabei ihre Reaktionen auf menschliche Antibiotika ? mit erstaunlichem Ergebnis: Obwohl die Höhlen-Bakterien gar nicht im menschlichen Organismus existieren können und niemals in Kontakt mit Antibiotika gekommen sind, waren fast alle Stämme gegenüber mindestens einem Antibiotikum resistent. Einige waren sogar ausgesprochen multiresistent ? sie widerstanden 14 verschiedenen Wirkstoffen gleichzeitig. Unterm Strich existieren in der unterirdischen Bakteriengemeinschaft Resistenzen gegen nahezu alle Antibiotika, die der modernen Medizin momentan zur Verfügung stehen, berichten die Wissenschaftler.

Natürliche Antibiotika-Resistenzen sind vermutlich uralt

Die Ergebnisse bestätigen eine frühere Untersuchung, die bereits nahegelegt hatte, dass schon vor dem Einsatz moderner Antibiotika einige Bakterien Resistenzen gegen die natürlichen Vorläufer dieser Medikamente besessen haben. Die Erklärung der Forscher dazu lautet: Viele Antibiotika des Menschen nutzen ähnliche Wirkmechanismen wie die, mit denen sich einige Lebewesen bereits seit Jahrmillionen gegen Mikroorganismen wehren. Im Gegenzug haben manche Bakterien deshalb schon lange entsprechende Resistenzen entwickelt. Mit dem Einsatz moderner Antibiotika gaben sie diese Widerstandskraft dann an die Krankheitserreger des Menschen weiter.

Michael DeGroote und seinen Kollegen zufolge beinhalten die aktuellen Ergebnisse zwei wichtige Informationen: Es sei zu erwarten, dass irgendwann auch die momentan noch wirksamen Antibiotika ihren Effekt verlieren, weil natürliche Resistenz-Gene bereits in der Natur schlummern und sich irgendwann ausbreiten. Die Funde in der Lechuguilla Cave legen aber auch nahe, dass es noch viele natürliche Antibiotika geben könnte, die sich der Mensch in Zukunft zunutze machen kann. Am Ende bleibt es dann allerdings wohl beim Wettrüsten: Der Mensch entwickelt fortlaufend neue Antibiotika am Beispiel der Natur, die so lange wirksam sind, bis sich die bereits vorhandenen Resistenzgene auf die Krankheitserreger übertragen und unter ihnen verbreiten.
Michael DeGroote (McMaster University) et al.: PLoS ONE, doi:10.1371/journal.pone.0034953

© wissenschaft.de ? Martin Vieweg


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