Wozu das tierische Sackhüpfen?

Von wegen Puppen-Ruhe: Die Larven einer kuriosen Schlupfwespenart können ihren eigenen Kokon bis zu fünf Zentimeter pro Sprung hüpfen lassen. Doch wozu tun sie das denn? Dieser Frage haben Biologen eine Studie gewidmet. Es handelt sich demnach um eine clevere Fluchtstrategie: Wenn die verhüllten Winzlinge der heißen Sonne ausgesetzt sind, können sie auf diese Weise samt ihrer Behausung in den Schatten hopsen. Auch bei Bedrohung durch Ameisen setzten die Winzlinge zum rettenden Sprung an, berichten die Biologen.

Skurrile Sprungtalente: Bathyplectes-Kokons beim Hüpfen. (Credit: Yoriko Saeki)

 

Bei der nur drei Millimeter großen Schlupfwespe Bathyplectes anurus handelt es sich nicht um irgendein Insekt – sie ist ein geschätzter Pflanzen-Bodyguard: Sie wird in der Landwirtschaft gezielt als Nützling gegen Rüsselkäfer eingesetzt, die sich an Hülsenfrüchten zu schaffen machen. Die filigranen Wespen legen dabei ihre Eier auf den Larven der Käfer ab – die daraus schlüpfenden Jungtiere ernähren sich dann von ihnen. Um sich anschließend "in Ruhe" in eine Wespe verwandeln zu können, spinnen sich die wurmartigen Schlupfwespen-Larven in einen Kokon ein. Soweit ist dies typisch für die Entwicklung eines Insekts, das eine Metamorphose durchmacht. Doch Bathyplectes-Kokons sind nicht ruhig wie andere: Durch spezielle ruckartige Bewegungen kann die Wespenlarve ihre Hülle kräftig in Bewegung setzen.

Es lag der Verdacht nahe, dass sie damit versuchen, sich aus Bedrohungssituationen zu befördern. Konkret könnte dies heiße Sonnenstrahlung oder Bedrohung durch Fressfeinde sein. Dieser Vermutung gingen die Forscher um Yoriko Saeki von der japanischen Kyushu University bei ihren Experimenten gezeilt nach: Sie setzten Bathyplectes-Kokons verschiedenen Lichtintensitäten sowie räuberischen Ameisen aus.

Aus der Gefahr gehopst

Es zeigte sich: In starkem Licht begannen die kleinen Gebilde tatsächlich besonders intensiv zu hopsen. In Versuchsanlagen, wo es einen Lichtgradienten in der Springarena gab, landeten die Kokons dadurch letztlich überwiegend im schattigen Bereich. Wenn die Forscher die Kokons an der Flucht in den Schatten hinderten, schlüpften aus ihnen deutlich seltener gesunde Insekten. Die Lichtintensität ist demnach ein wichtiger Entwicklungsfaktor für die kleinen Schlupfwespen, erklären sie. Die Hüpferei dient aber offenbar ebenfalls der Flucht vor Fressfeinden, belegten die weiteren Experimente. Die Larven waren in ihren Kokons demnach in der Lage, die Nähe von Ameisen wahrzunehmen. Sie reagierten dann mit einer 80 Prozent erhöhten Sprungaktivität, berichten Saeki und seine Kollegen.

Unterm Strich scheint sich damit klar abzuzeichnen, dass die Insekten ihr Sprungtalent nutzen, um sich aus ungünstigen Lagen zu befördern. Diese Fähigkeit hat allerdings auch ihren Preis, belegten Auswertungen der Biologen: Aus Puppen, die besonders viel herumgehüpft waren, schlüpften vergleichsweise schmächtige Schlupfwespen. Wahrscheinlich liegt dies an den Energiekosten für die Zuckbewegungen, mit denen die Larven ihre Kokons in Bewegung setzen, erklären Saeki und seine Kollegen.

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