Plutos schneeweiße Zwillingsschwester

Eris, einer der fernsten Außenposten des Sonnensystems, gleicht dem ehemaligen neunten Planeten Pluto fast wie ein Ei dem anderen. So hat Eris, wie Forscher um Bruno Sicardi berichten, einen Radius von 1.163 Kilometern. Plutos Radius liegt ebenfalls zwischen 1.150 und 1.200 Kilometern - er ist wegen Plutos dünner Atmosphäre weniger genau bekannt. Eris' Oberfläche, die Licht fast so gut reflektiert wie ein Spiegel, ist wahrscheinlich ähnlich wie bei Pluto von Methaneis und gefrorenem Stickstoff bedeckt, schreiben die Forscher.
Eris' Entdeckung löste 2005 einen Streit darüber aus, ob Pluto weiterhin zu den Planeten gezählt werden sollte. Die ersten Messungen deuteten damals darauf hin, dass Eris etwas größer als Pluto sein könnte. Zudem wurde immer klarer, dass jenseits des Planeten Neptun, im sogenannten Kuiper-Gürtel, zahlreiche weitere Eiswelten wie Pluto um die Sonne kreisen. Schließlich einigten sich die Astronomen 2006 auf eine neue Planeten-Definition, bei der sowohl Pluto als auch Eris den Status eines Zwergplaneten erhielten.

Sicardi und seine Kollegen konnten das Streitobjekt Eris nun erstmals genauer vermessen, als es im November 2010 vor einem Hintergrund-Stern vorbeizog. Bei solchen Okkultationen lassen sich der Durchmesser und andere Eigenschaften eines Himmelskörpers besonders genau bestimmen. Noch nie gelang es Astronomen allerdings, ein derart weit entferntes Objekt mit dieser Technik zu untersuchen. Derzeit befindet sich der Zwergplanet am fernsten Punkt seiner langgestreckten Umlaufbahn, er ist 96-mal so weit von der Sonne entfernt wie die Erde.

Eris ist demnach genauso groß, aber etwas schwerer als Pluto. Ihre Dichte liegt bei 2,5 Gramm pro Kubikzentimeter. Damit besteht sie zu 85 Prozent aus Gestein und zu 15 Prozent aus leichteren Stoffen wie Eis, Methan oder Stickstoff. Die Oberflächentemperatur liegt bei minus 243 Grad Celsius - 30 Grad über dem absoluten Temperaturnullpunkt. Eris' Oberfläche ist heller als Schnee, sie strahlt 96 Prozent des einfallenden Lichtes wieder ins All zurück. Die Forscher vermuten, dass diese spiegelhelle Schicht die kollabierte Atmosphäre von Eris ist. Bei den derzeitigen Temperaturen sind die Gase zu Eis gefroren. Doch wenn sich Eris dem sonnennächsten Punkt ihrer Bahn nähert, der im Bereich der Pluto-Bahn liegt, könnten Stickstoff, Methan und vielleicht auch Argon sublimieren und den Zwergplaneten für kurze Zeit einhüllen. Da Eris für einen Umlauf um die Sonne 557 Jahre braucht, wird sie aber wohl nicht so bald aus ihrem Dornröschen-Schlaf erwachen.
Bruno Sicardi (LESIA-Observatoire de Paris) et al.: Nature, Bd. 478, S. 493, doi:10.1038/nature10550

wissenschaft.de - Ute Kehse


Reload-Capcha neu laden Text der identifiziert werden soll

Bitte geben Sie zusätzlich noch den Sicherheitscode ein!

Rubriken

Der Buchtipp

Wer an Krebs erkrankt, kann erstaunlich viel selbst für seine Lebensqualität tun. Der Arzt Michael Schoenberg gibt hilfreiche Tipps – von der Ernährung über den Sport bis zur Psychologie.

Zu allen Buchtipps


Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der Konradin Mediengruppe