Auslese: Was Forscher diese Woche sonst noch entdeckt haben

Fast ein Käfer-Staat Bienen, Ameisen oder Termiten sind die prominenten Staats-Insekten - Käfer galten bisher dagegen als unsoziale Eigenbrötler. Doch nun haben zwei Biologen aufgedeckt: Individuen einer bestimmten Käferart helfen einander und sogar ihre Larven tragen zum Wohl der Gemeinschaft bei. So entsteht bei den sogenannten Ambrosiakäfern eine Kolonie, die den Wissenschaftlern zufolge einen Übergang zwischen solitärer und hochsozialer Lebensweise repräsentiert. Peter Biedermann und Michael Taborsky von der Universität Bern ist es gelungen, die wenige Millimeter großen Insekten in Glasröhrchen zu züchten und ihr Verhalten zu beobachten. Die winzigen Krabbler ernähren sich ausschließlich von einem Pilz, den sie selber kultivieren. Beim Anlegen eines neuen Nestes verteilen die Käfer-Weibchen die Sporen eines Pilzes in Gängen, die die Käfer ins Hartholz von abgestorbenen Bäumen bohren. Die Fruchtkörper der Pilze dienen den Käfern später als Nahrung. Aus den Eiern des Weibchens entwickeln sich weibliche und männliche Käfer, die sich dann untereinander paaren. Die weiblichen Tiere fliegen danach davon, um selbst ein Nest zu gründen. Doch bevor sie in die Ferne ziehen, helfen sie erst noch einige Wochen der Mutter bei der Aufzucht der Brut und der Pflege der Pilzgärten, wie die Beobachtungen zeigten. Dabei putzen sich die Insekten gegenseitig und sogar die Larven packen mit an: Sie erweitern mit ihren Beißwerkzeugen selbstständig die Brutkammern. Das Verhalten der Käfer ähnelt dem von hochsozialen Insekten, sagen die Wissenschaftler. Der Unterschied ist, dass bei Bienen und Co die Königin das einzige fruchtbare Weibchen ist, bei den Käfern bleiben dagegen alle Weibchen fortpflanzungsfähig. Sie verzichten aber zumindest für einige Zeit auf eigene Nachkommen zum Nutzen ihrer nahen Verwandten. (Peter Biedermann und Michael Taborsky von der Universität Bern PNAS, doi:10.1073/pnas.1107758108) Ein schneller Klimawandel bedroht die Spezialisten Eine Untersuchung dänischer Forscher zeigt: In Gebieten, in denen im Laufe Geschichte ein schneller Klimawandel stattfand, leben heute nur noch mobile Tierarten, die ihren bevorzugten Bedingungen einfach hinterherziehen können. Sogenannte endemische Arten ? spezialisierte Tiere, die nur einen geringen Ausbreitungsradius besitzen, findet man dagegen kaum. Die Geschwindigkeit, mit der sich das Klima in einer Region der Erde verändert, beeinflusst also die Zusammensetzung der dort vorkommenden Lebewesen deutlich, sagen die Forscher um Brody Sandel von der Universität Aarhus. Die Wissenschaftler haben für die Studie die Entwicklung des Klimas der letzten 20.000 Jahre in bestimmten Regionen der Erde ausgewertet. Dazu ermittelten sie die Temperaturen von damals und analysierten, wie sie sich bis heute verändert haben. Besonders schnell veränderte sich das Klima demnach beispielsweise im nordöstlichen Nordamerika und in Nord- und Zentraleurasien. In der südlichen Hemisphäre sowie in bergigen Regionen war der Wandel dagegen langsam. Der Vergleich der Artenzusammensetzung in den unterschiedlichen Regionen zeigte nun, dass endemische Arten dort typisch sind, wo sich das Klima eher langsam änderte. Solche Lebensformen können bei sich wandelnden Umweltbedingungen nicht in klimatisch geeignete Gegenden umziehen und sterben aus, so die These der Forscher. In Nordamerika oder Nord- und Zentraleurasien leben fast keine endemischen Arten. Vor dem Hintergrund des aktuellen Klimawandels bedeute das, dass beispielsweise im westlichen Amazonien mit Artenschwund zu rechnen sei: Hier leben viele endemische Arten und Klimaforscher prognostizieren eine schnelle Veränderung der Klimabedingungen im Rahmen der Erderwärmung. (Brody Sandel von der Universität Aarhus et al.: Science, doi:10.1126/science.1210173) Zerbrechliche Schönheit: Europas Schmetterlinge Naturschutzverbände und Wissenschaftler haben am Mittwoch einen Verbreitungsatlas der Tagfalter in Europa präsentiert. Der Atlas beinhaltet Verbreitungskarten aller 441 europäischen Tagfalterarten. Über 400.000 Datensätze aus ganz Europa wurden dafür neu erfasst und erstmals ausgewertet. Neben der umfangreichen Bereitstellung von Informationen für die Taxonomie und Biogeographie soll der Atlas eine Grundlage für den Schutz der europäischen Tagfalter darstellen. Dazu dienen vor allem die Karten, auf denen die ?Hotspots? der Faltervielfalt wie auch des Vorkommens besonders seltener und gefährdeter Arten erkennbar sind. Besonders deutlich wurde dabei, dass sich die meisten Arten in den Gebirgsregionen im Norden der Iberischen Halbinsel, im Alpenraum und auf dem Balkan konzentrieren. Durchschnittlich umfasst der Lebensraum jeder dritten Tagfalterart jedoch nur ein Prozent Europas oder noch weniger. Abbildung: Distribution Atlas of Butterflies in Europe. GfS, Halle, Germany. ?Die neuen Daten zeigen den zerbrechlichen Zustand der Tagfaltervorkommen in Europa. Um zerstreute Populationen zu vernetzen und dadurch dauerhaft zu retten, muss der Erhalt ihrer natürlichen Lebensräume dringlicher denn je vorangebracht werden?, sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Dabei sei insbesondere die europäische Agrarpolitik gefordert, wirksame Maßnahmen sicherzustellen. Allein der Aurorafalter könnte unter heutigen Bedingungen bis zum Jahr 2080 über 85 Prozent seines Lebensraumes verlieren. ( Mitteilung des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung ? UFZ) 100 Millionen Jahre alter Schnee auf dem Saturnmond Enceladus Bilder der Raumsonde Cassini zeigen: Eispartikel, die von Geysiren am Südpol von Enceladus stammen, bedecken den Saturnmond stellenweise mit einer hundert Meter dicken Schicht aus Pulverschnee. Diese Entdeckungen präsentierte Paul Schenk vom Lunar and Planetary Institute in Houston jetzt auf einer Fachtagung im französischen Nantes. Durch die Anziehungskraft des nahen Saturn fällt der Schnee bevorzugt in zwei auf entgegengesetzten Seiten von Enceladus gelegenen Streifen. Dieser Schnee ist im Gegensatz zum Rest der Oberfläche von Enceladus leicht bläulich. Die Dicke der Schneedecke verrät sich dadurch, dass von den Kratern der Mondoberfläche in den Schneelandschaften nur nur noch die oberen Ränder hervorschauen. Berechnungen zeigen, dass die Decke aus Eispartikeln um weniger als ein tausendstel Millimeter pro Jahr anwächst. Da die Schicht an einigen Stellen rund hundert Meter dick ist, muss der Schneefall demnach schon seit seit etwa 100 Millionen Jahren andauern, sagt Paul Schenk. So spannend wie der Schnee ist auch sein Ursprung - die Eiskristalle, die die Geysire des Mondes ausspucken stehen im Zusammenhang mit einer faszinierenden Eigenschaft des kleinen Mondes: Vermutlich verbirgt sich unter seinem gewaltigen Eispanzer ein Ozean aus flüssigem Wasser. Der Erfindungsreichtum des irdischen Lebens zeigt, dass es nicht ausgeschlossen ist, dass sich hier außerirdisches Leben entwickelt haben könnte, sagen Experten.(Vortrag Paul Schenk vom Lunar and Planetary Institute in Houston .: Naturenews, doi:10.1038/news.2011.569) Wer pfeift denn da? Es zirpt, quakt, summt, brummt und es pfeift ? ein tropischer Urwald ist nicht nur ein Pflanzengewirr sondern auch ein Dschungel der Geräusche. Wie es Pfeilgiftfrösche schaffen, in dieser komplexen Soundkulisse die Vertreter ihrer eigenen Art herauszuhören, haben nun Forscher untersucht. In der Paarungszeit versuchen die kleinen Frösche mit pfiffartigen Rufen, paarungsbereite Weibchen anzulocken und Mitbewerber zu warnen. Zuvor wurde vermutet, dass die vielen unterschiedlichen Froscharten eine zeitliche oder räumliche Auftrennung im Balz-Rufverhalten aufweisen, um sich akustisch nicht in die Quere zu kommen. Wie die Forscher um Walter Hödl von der Universität Wien nun herausfanden, balzen aber alle Froscharten gleichzeitig und im selben Lebensraum. Vermutlich brauchen sie alle die optimalen Niederschlagsbedingungen, um sich erfolgreich fortzupflanzen, erklären die Wissenschaftler. Um dennoch nur auf Rufe der Vertreter der eigenen Art zu reagieren, besitzen die Tiere offenbar ein sehr feines Gehör, denn die Laute sind bei oberflächlicher Betrachtung sehr ähnlich. Die Rufe einer Art gehen beispielsweise etwa von 2.000 bis 2.800 Hertz, jene einer anderen Art von 2.500 bis 3.800 Hertz, es gibt also also ein Überlappungsbereich von 300 Hertz, so die Forscher. Die Tiere können das allerdings problemlos unterscheiden und so Fehlreaktionen auf artfremde Rufe vermeiden. Das zeigten die Beobachtungen der Forscher, als sie den Fröschen im Regenwald Töne mit verschiedenen Frequenzen vorgespielten und deren Reaktion darauf untersuchten.(Adolfo Amézquita, Universidad de los Andes, Bogotá, Colombia, et al.: PNAS, doi:10.1073/pnas.1104773108)
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