Wer war der Dino-Killer?

Auf der Suche nach der Herkunft des Asteroiden, der vor 65 Millionen Jahren die Dinosaurier auslöschte, tappen die Astronomen wieder im Dunkeln. Eine Gruppe von Asteroiden, die 2007 ins Visier der Forscher geraten war, scheidet einer neuen Studie zufolge höchstwahrscheinlich als Quelle des Killer-Meteoriten aus. Die so genannte Baptistina-Familie entstand nicht vor 160 Millionen Jahren, sondern erst vor 80 Millionen Jahren bei einer Kollision im Asteroidengürtel, berichten Forscher um Joseph Masiero. 15 Millionen Jahre reichen aber nach Angaben der Forscher nicht aus, um ein Trümmerstück auf Kollisionskurs mit der Erde zu bringen.
?Bis die Reste einer solchen Kollision auf eine instabile Bahn geraten und in Richtung Erde geschleudert werden, dauert es normalerweise einige zig Millionen Jahre?, sagt Amy Mainzer, eine der Autorinnen. Die Trümmerstücke einer Kollision driften im Laufe der Zeit auseinander. Dabei können sich ihre Bahnen in instabile Bereiche des Asteroidengürtels verlagern, wo die Schwerkraft des Riesenplaneten Jupiter die Kleinkörper relativ schnell aus der Bahn wirft.

2007 zeigte eine Studie von Forschern um William Bottke, dass die Asteroiden der Baptistina-Familie wahrscheinlich vor 160 Millionen Jahren durch den Zusammenstoß eines 170 Kilometer großen Kleinplaneten mit einem 60 Kilometer großen Objekt entstanden war. Beide zerplatzten in hunderttausende von Trümmerstücken. Das größte davon ist der Namensgeber der Familie, der Asteroid Baptistina mit einem Durchmesser von 40 Kilometern. Einige hundert Bruchstücke hatten demnach einen Durchmesser von mehreren Kilometern. Einer dieser Irrläufer kollidierte der Theorie zufolge vor 65 Millionen Jahren mit der Erde und löste das Massensterben aus, dem die Dinosaurier zum Opfer fielen. Ein anderes Trümmerstück könnte bereits vor 100 Millionen Jahren auf dem Mond gelandet sein, wodurch der Krater Tycho entstand.

Masiero und seine Kollegen untersuchten jetzt 120.000 Asteroiden mit dem Infrarot-Teleskop Wise (Wide-field Infrared Survey Explorer), um ihre Größe genauer zu bestimmen. Darunter waren auch 1.024 Mitglieder der Baptistina-Familie. Aus Größe, Helligkeit und Bahnkurven der Asteroiden konnten die Forscher ermitteln, wie lange die Kollision her ist, bei der sie entstanden: Kleine Asteroiden verstreuen sich schneller im All, weil verschiedene Stör-Einflüsse sich stärker auswirken. Dem Ergebnis zufolge liegt die Baptistina-Kollision eher 80 als 160 Millionen Jahre zurück.

?Damit gehört der Untergang der Dinosaurier weiterhin zu den ungeklärten Fällen?, sagt Lindley Johnson von der Nasa. Die Daten der Mission könnten aber vielleicht doch noch Klarheit in die Sache bringen. Aus den umfangreichen Ergebnissen wollen die Forscher um Masiero nun eine Art Asteroiden-Stammbaum herstellen. ?Wir verfeinern jetzt unser Bild davon, wie die Asteroiden im Hauptgürtel zusammenkrachten und sich vermischten?, sagt der Teamleiter.
Joseph Masiero (Jet Propulsion Laboratory, Pasadena, Kalifornien) et al.: The Astrophysical Journal, eingereicht

wissenschaft.de - Ute Kehse


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