Schnell-Test für Krankheiten wie Krebs

Schon lange ist es ein Wunschtraum der Mediziner: ein einfaches Testverfahren, das Krebs oder andere schwere Erkrankungen erkennen kann, um in einem frühen Stadium die richtige Therapie einzuleiten. Dieser Vision sind deutsche Forscher nun einen großen Schritt näher gekommen. Sie konnten gezielt Moleküle im Blut nachweisen, die spezifisch für 14 teils schwer erkennbare Krankheiten sind. Diese sogenannten mircroRNAs werden von Tumoren oder anderen krankhaften Geweben gebildet und können dadurch als Biomarker dienen. Bis entsprechende Tests für medizinische Anwendungen zur Verfügung stehen, sei aber noch viel Entwicklungsarbeit zu leisten, sagen die Wissenschaftler um Andre Franke von der Universität des Saarlandes.
Viele Krebserkrankungen sind mittlerweile gut heilbar - Voraussetzung: sie müssen möglichst frühzeitig erkannt werden. Bislang fehlen jedoch entsprechende Testverfahren und so kommt für zahlreiche Patienten die Hilfe zu spät. Darüber hinaus fehlen ebenfalls geeignete Testverfahren, die Hinweise auf schwere Erkrankungen in einem Stadium liefern können, in dem die Krankheit noch schlummert. Diese unbefriedigende Situation haben deutsche Forscher unterschiedlicher wissenschaftlicher Einrichtungen zum Anlass genommen, in einer breit angelegten Studie im Blut von Krebspatienten und anderen chronisch kranken Personen nach Biomarkern zu fahnden, mit denen sich krankhafte Veränderungen bereits in einem Frühstadium erkennen lassen.

Die Bemühungen waren erfolgreich: Die Wissenschaftler konnten zeigen, dass mircroRNAs sich ideal als Informanten für die Frühdiagnose eignen. Diese Moleküle sind Teil des Informations- und Regulationssystems des Körpers. Sie bestehen aus durchschnittlich 22 genetischen Bausteinen, dienen aber anders als ihre Verwandten, die RNAs, nicht zur Herstellung von Proteinen. Sie beeinflussen aber dennoch indirekt die Produktion dieser Eiweiße, sie spielen also eine zentrale Rolle in dem komplexen Geschehen der Genregulation in Zellen. Frühere Studien haben bereits gezeigt, dass viele Krankheiten mit einer fehlerhaften Bildung von mircroRNAs einhergehen, beispielsweise sind sie an den Fehlfunktionen von Tumorzellen beteiligt. Durch ihre geringe Größe werden die winzigen Nucleotid-Ketten auch an das Blut abgegeben und sind deshalb in Proben nachweisbar.

Den Forschern ist es durch den Vergleich von Blutproben erkrankter Personen mit denen von gesunden gelungen, mircroRNAs zu identifizieren, die spezifisch für die jeweilige Erkrankung sind. Darunter sind Krebsformen der Bauchspeicheldrüse, der Prostata oder des Magen-Darm-Traktes sowie Multiple Sklerose, Sarkoidose und Parodontitis. Die Ergebnisse der Tests mit rund 700 Probanden wurden jetzt im Fachmagazin "Nature Methods" veröffentlicht. ?Insgesamt hat der Test eine hohe Genauigkeit für die einzelnen Krankheitsbilder gezeigt, die gut voneinander und von gesunden Kontrollgruppen unterschieden werden konnten?, resümiert Abdou ElSharawy, einer der beteiligten Wissenschaftler von der Christian Albrechts Universität in Kiel. Die Forscher hoffen nun, mit einem einzigen Bluttest zukünftig eine Vielzahl weiterer Erkrankungen mit hoher Zuverlässigkeit diagnostizieren zu können. Bis es soweit ist, kann allerdings noch einige Zeit verstreichen: ?Da ist noch viel Arbeit, viel Geld und einiges an Untersuchungen notwendig, bis tatsächlich ein marktreifes Produkt die Zulassung erhält?, sagt Andre Franke.
Andreas Keller (Universtät des Saarlandes) et al: Nature Methods, doi:10.1038/nmeth.1682

wissenschaft.de - Martin Vieweg


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